Theater Augsburg
Was für eine Männerfreundschaft! Da stehen sie dicht voreinander, Orgon und Tartuffe, blicken sich tief in die Augen und schütteln sich vor Lachen, genauer: vor Lachyoga. «Wer seiner Lehre folgt, empfindet tiefsten Frieden», frohlockt der Hausherr. Er ist dem Guru Tartuffe samt dessen Glücksverheißungen aus fernöstlichen Entspannungs–techniken und Voodoo-Klimbim komplett auf den Leim gegangen und verachtet nun Frau und Kinder für deren Konsum- und Lebensfreude.
Ein Tartuffe, der seinen Gastgeber nicht mit der christlichen Büßer-Masche beeindruckt, sondern ihn zum fanatischen Anhänger einer selbstgestrickten Feld-, Wald- und Wiesen-Esoterik formt – das ist so naheliegend zeitgemäß, dass es fast gar nicht als Setzung der Regie auffällt. Vielleicht zieht Sigrid Herzogs exakt durchkomponierter «Tartuffe» deshalb so schnell und intensiv in Bann: Jeder noch so überspitzte Einfall kommt mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit daher.
Die Dialoge etwa klingen, als wären rein zufällig einige Passagen in Versform geraten. Das ist zum einen dem uneitlen Spiel der Darsteller zu verdanken, zum anderen der Übersetzung von Rainer Kohlmayer, die zwischen betulich und unverblümt changiert ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Cornelia Fiedler
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