Dresden
Bis dato hatte die Generalstochter Hedda Gabler relativ ruhig zugehört, als ihr Mann von temporären Entbehrungen sprach. Aber dass sie allen Ernstes auf ihre Pilates-Stunden verzichten soll, nimmt sie ihm jetzt wirklich übel. Unter diesen Umständen, teilt Hedda dem mediokren Kulturhistoriker mit, der auf den letzten Metern an einer sicher geglaubten Professur zu scheitern droht, bliebe ihr tatsächlich nur noch ein akzeptabler Zeitvertreib: die Waffen ihres Vaters.
Auf diesen Paradigmenwechsel müsste Jörgen Tesman am Staatsschauspiel Dresden eigentlich gut vorbereitet sein.
Denn schon lange geht seine Gattin einem verwegenen Hobby nach: Nahezu abendfüllend hockt sie in Karoly Risz’ minimalistischer Salonbühne auf einem restbürgerlichen Flügel und spielt – der Beamer war im Hause Tesman glücklicherweise schon vor dem Karriereknick angeschafft worden – eher unbourgeoise Ego-Shooter-Spiele, die in XL-Größe auf eine sonst gern als Spiegel fungierende Wand projiziert werden.
Dabei verkörpert Frau Gabler-Tesman gleichsam den Beweis der medienpädagogischen These, dass die Wurzel allen jugendlichen (Amok-)Übels im virtuellen Kriegsspiel zu suchen sei. Denn lieber noch als auf Avatare ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Christine Wahl
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