Das reicht doch nicht!
Engel steigen zu uns herab. Zu einem Drum-Loop, über den sich bald schon die melancholischen Synthesizerklänge von «Streets of Philadelphia» schmiegen, schweben die Akrobaten vom Bühnenhimmel. Einer von ihnen, der mit der regenbogenbunten Glitzerhose und beeindruckend ausdefinierten Rückenmuskulatur, ist Fabian Hinrichs. Kaum hat er sich seines Fluggeschirrs entledigt, greift er lächelnd zum Mikrofon: «Wo sind wir hier? In einem Raum, der zu eng ist oder zu groß für unsere Liebe. Es ist nicht unsere Schuld, dass uns die Liebe nicht gelingt.
» Und während die Akrobaten elegante Räder schlagen oder sich langsam in den Handstand drücken, hüpft Hinrichs fröhlich wie ein junger Gott über die Bühne und verpasst dem Springsteen-Song neue Lyrics: «Ich bin die Straße hinuntergegangen, an den Reihenhäusern vorbei …», und später: «Es reicht uns nicht, es reicht uns nicht. Es fehlt etwas.»
Was nicht zu leben ist, fliegt raus
Das alles erzählt sich wenig spektakulär, aber: Es fängt spitze an. Dass hier fünf Minuten reinsten Theaterglücks entstehen, liegt wahrscheinlich nicht nur am flüssig-lässigen Zusammenspiel von Text und Musik und Bewegung im Raum, sondern an etwas, was man zu diesem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Eva Behrendt
Alle drei Abschnitte des neuen Stücks von Philipp Löhle (Jahrgang 1978) heißen «Kr(e)ise». Also Krise und Kreise. In elliptischen Bewegungen zirkulieren die vier Angehörigen einer Familienbande umeinander, wie Satelliten um ihre Planeten, allerdings in wechselnden Konstellationen. Und auch wenn keine Sonne scheint.
Das «Außerkraftsetzen der Endkrise durch die...
In der «Zeit» hat sich der Autor F.K. Mafhys einmal grundlegende Gedanken darüber gemacht, ob der Sport in Shakespeares Leben und Stücken eine besondere Rolle spielt. Sieht man davon ab, dass für den Dichter auch schon Bärenfang oder die Jagd von Fischen, Hasen und Fasanen zum leibesertüchtigenden Zeitvertreib zählten, so finden sich in den Dramen doch tatsächlich...
Wenn der alte Christian Maske (Henning Hartmann) hinter dem Gaze-Vorhang das Treiben seiner Nachkommen beobachtet, packt ihn das Grauen. Infantile Spiele und Lebensuntüchtigkeit in Gestalt seines Sohns Phillip Ernst (weinerlich und ängstlich: Aljoscha Stadelmann) wechseln sich mit der eiskalten Skrupellosigkeit seiner attraktiven Tochter Sofie (Rebecca...
