Teuflisch begabt
Ein erstes Engagement an einem kleinen Haus mit wenig Geld kann für junge spielhungrige Schauspieler durchaus ein Glücksfall sein, vor allem, wenn es wie das Münchner Volkstheater im Einzugsbereich einer großstädtischen Presselandschaft liegt. Hier müssen Berufsanfänger sich nicht jahrelang durch Trash-Projekte der Dramaturgie kämpfen, hier wird gleich «groß» gespielt, und wer die Chance nutzt, wird auch ziemlich bald bemerkt.
Nico Holonics, frisch von der Hochschule Ernst Busch engagiert, hat sie genutzt und gilt nun als neuer aufgehender Stern am Münchner Theaterhimmel, weil er nach seinem Debüt als «Don Karlos» nun aus Shakespeares blutigstem Bühnenmonster «Richard III.» so etwas wie die smarteste Versuchung, seit es Schurken gibt, gemacht hat.
Der findige Intendant Christian Stückl vertraut in seiner angenehm schnörkellosen Inszenierung ganz auf den Instinkt des 25-Jährigen, das grundlos Böse nicht als psychologisch begründete Deformation, sondern als reine, negative Kraftlinie zu zeigen. Dieser Richard ist kein durch Hässlichkeit gekränkter Narziss, sondern ein Spieler, der einfach immer wieder alles auf eine Karte setzt und aus irgendeinem Grund keinerlei Moral mitbekommen hat ...
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Fontane, Kästner, Musil, Dostojewski – das Aachener Theater folgt dem Trend und plündert in dieser Saison ausgiebig alte Romane, um neue Dramen zu finden. Für die kleine «junge» Spielstätte Mörgens darf’s auch etwas Frischeres sein: der Prosatext «Afterdark» des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami, 2005 auf Deutsch erschienen und bereits ein Jahr später in...
Bernd Noack Herr Berg, wer in Linz aus dem Zug steigt, den erschlägt gleich in der Bahnhofsunterführung förmlich ein Plakat: «Kulturhauptstadt des Führers». Wird man auch auf den Bühnen, die im Rahmen des Festivals bespielt werden, Hitler herumwesen sehen müssen, oder wie soll dieses Stück Stadt-Vergangenheit bearbeitet werden?
Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt...
Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn...
