Prinzip Indifferenz
Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn wird dafür Frantz Fanon bemüht, seines Zeichens schwarzer Franzose, Psychiater und einer der wichtigsten Denker des Antikolonialismus.
Per Fernsehaufzeichnung berichtet er – verkörpert vom Frankfurter Schauspieler Falilou Seck –, wie im besetzten Algerien der 50er Jahre Kolonialherrschaft, Befreiungskampf und psychische Krankheit miteinander verschmelzen. Dem algerischen Widerstandskämpfer, der auf die Vergewaltigung seiner Frau durch französische Soldaten mit Impotenz und apathischer Wut reagiert, stellt er eine neurotische junge Französin gegenüber, deren Beamtenvater Araber foltert und bei einem Anschlag ums Leben kommt.
Andächtig lauschen die fünf Schauspieler, die in Bademänteln auf einer Tribüne aus Plastiksitzen und Perserteppichen auf der Bühne des Kleinen Hauses sitzen, dieser Fernsehansprache, um ideologisch ...
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Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt...
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