«Tauscht doch mal!»
Theater heute Wir haben für dieses Gespräch Schauspielerinnen aus drei Generationen eingeladen: Hildegard Schmahl, Jahrgang 1940, Judith Rosmair, 1967, und Julia Riedler, 1990. Denn wir möchten herausfinden, ob Sexismus und Machtstrukturen im Theater eine historische Konstante sind, ob sich die Situation nicht trotz allem deutlich verbessert hat, oder ob wir gerade einen Backlash erleben. Hildegard Schmahl, Sie haben in einem Porträt vor zehn Jahren (s.
TH 5/2008) von den «zarten Träumern» gesprochen, die heute am Theater dominieren – im Vergleich zu dem, was Sie als Anfängerin erlebt haben. Sie selbst waren an Mitbestimmungsmodellen in Frankfurt und Stuttgart beteiligt, als schon einmal versucht wurde, Strukturen zu verändern. Wann hat ihrer Meinung nach ein Wandel stattgefunden, und ist er tatsächlich passiert?
Hildegard Schmahl Für mich ist er sehr wohl passiert. Ich kam 1959 ins Engagement, da gab es noch richtige Herrscher, sowohl Regisseure wie Intendanten. Man bekam damals nur einen Zettel in die Hand gedrückt, wo der Text der eigenen Figur draufstand, nicht das ganze Stück! So etwas wie Ensembleversammlungen oder Leseproben, wo alle um einen Tisch sitzen, gab es nicht. ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: #MeToo-Debatte, Seite 4
von Redaktion
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Die Frage, ob Shylock gut oder böse ist, ist erledigt. Shakespeares «Kaufmann von Venedig» kann im deutschen Theater nur ein Stück über Antisemitismus sein, kein antisemitisches Stück. Also kann Shylock heute nur beides sein: gut und böse. So will es auch Roger Vontobels Düsseldorfer Inszenierung. Mehrdeutig will sie sein, eine «Gesellschaftsüberprüfung», so...
Eine goldene Parallelwelt, einen elitären Schuhkarton des Reichtums hat die Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht im Theater an der Ruhr in Mülheim geschaffen. Grandios realitätsentrückt bauschen sich die glitzernden Lamettafäden, wenn die Windmaschine im «Shitstorm» anspringt, ansonsten sieht der Bühnenraum aus wie ein vergoldetes Gefängnis: eine Kitschfalle,...
