Tagung: Wunschbild Regenbogennation
Don’t talk, act!», fordert eine junge Künstlerin die Herren der Theaterleitung des Soweto Theatre auf, die wie viele andere in die Jahre gekommenen Befreiungskämpfer eine eher durch Korruption denn durch politische Erfolge glänzende Elite Südafrikas repräsentieren. In dem erst vor vier Jahren eröffneten Theater mitten in den South Western Townships von Johannesburg (Soweto) entlädt sich der Frust der heranwachsenden Künstlergenerationen, die aufgrund vieler Fehlentscheidungen der Regierung für ihr Schaffen keine Perspektive sehen.
Der Theaterbau selbst verkörpert dieses Versagen als mahnendes Beispiel: Der bunte moderne Prachtbau mit mehreren Theatersälen wirkt wie ein steriler, abgezäunter Fremdkörper, der von der Bevölkerung kaum genutzt zu werden scheint.
Südafrika gilt eigentlich als Vorbild par excellence für gesellschaftliche Transformation: 1994 hat der ehemals rassistische Apartheidstaat sich mit voller Wucht zur Regenbogennation erklärt und kurzerhand die liberalste Verfassung der Welt auf den Weg gebracht. Die Nation ist nicht nur die Hoffnung eines ganzen Kontinents, sondern steht für die Wandlung einer Gesellschaft aus Opfern und Tätern zu vergebenden und ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Julius Heinicke
Aachen, Grenzlandtheater
29. Didion, Das Jahr magischen Denkens
R. Uwe Brandt
Aachen, Theater
8. Gorki, Wassa Schelesnowa
R. Ewa Teilmans
12. Mezger, Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam
R. Stefan Rogge
27. Price, Die Radikalisierung Bradley Mannings
R. Dominik Günther
Aalen, Theater der Stadt
28. nach Nibelungen, Hilde & Hilde
R. Jasmin Schädler
...
Sterben ist ein Ende ohne Pointe. Aber manch Lebensfrohen macht das Ausweglose auch trotzig, Ragnar Kjartansson zum Beispiel. Der isländische Musiker, Künstler und Inszenator zeigt es dem Tod mal so richtig mit seiner Bauchschuss-Sinfonie «Krieg», damit wenigstens die im Leben Zurückgebliebenen was zu schmunzeln haben. Sein zweiter Abend an der Volksbühne knüpft da...
Orgelnde Monologe
In Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierung «Die Brüder Karamasow» übertreffen sich die exzentrischen Glamrocksolisten
Noch wagen wir uns kaum auszumalen, was in der nächsten Spielzeit alles an Castorf- und Volksbühnenabschiedsfeuerwerken gezündet wird. Zum Ende der letzten gab es bereits ein gewaltiges zu bewundern: Dostojewskis «Die Brüder...
