Tagung: Wunschbild Regenbogennation
Don’t talk, act!», fordert eine junge Künstlerin die Herren der Theaterleitung des Soweto Theatre auf, die wie viele andere in die Jahre gekommenen Befreiungskämpfer eine eher durch Korruption denn durch politische Erfolge glänzende Elite Südafrikas repräsentieren. In dem erst vor vier Jahren eröffneten Theater mitten in den South Western Townships von Johannesburg (Soweto) entlädt sich der Frust der heranwachsenden Künstlergenerationen, die aufgrund vieler Fehlentscheidungen der Regierung für ihr Schaffen keine Perspektive sehen.
Der Theaterbau selbst verkörpert dieses Versagen als mahnendes Beispiel: Der bunte moderne Prachtbau mit mehreren Theatersälen wirkt wie ein steriler, abgezäunter Fremdkörper, der von der Bevölkerung kaum genutzt zu werden scheint.
Südafrika gilt eigentlich als Vorbild par excellence für gesellschaftliche Transformation: 1994 hat der ehemals rassistische Apartheidstaat sich mit voller Wucht zur Regenbogennation erklärt und kurzerhand die liberalste Verfassung der Welt auf den Weg gebracht. Die Nation ist nicht nur die Hoffnung eines ganzen Kontinents, sondern steht für die Wandlung einer Gesellschaft aus Opfern und Tätern zu vergebenden und ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Julius Heinicke
Orgelnde Monologe
In Frank Castorfs Dostojewski-Inszenierung «Die Brüder Karamasow» übertreffen sich die exzentrischen Glamrocksolisten
Noch wagen wir uns kaum auszumalen, was in der nächsten Spielzeit alles an Castorf- und Volksbühnenabschiedsfeuerwerken gezündet wird. Zum Ende der letzten gab es bereits ein gewaltiges zu bewundern: Dostojewskis «Die Brüder...
Peer Gynt», steht auf der ersten Umschlagseite des Programmhefts, «Oder die Unmöglichkeit, Peer Gynt zu sein» auf der zweiten. «Oder wie Henrik Ibsen 1879 anfing, unglaublich tolle Frauenrollen zu schreiben», folgt auf der dritten. Schließlich ein vierter Titel-Anlauf: «Oder die Erlaubnis für Frauen, total auszurasten». In ungefähr diesen Gedankenschritten dürfte...
Pisto ist ein Freund der klaren Ansagen. Vielleicht, empfiehlt er seinem Kumpel Hupka warmherzig, «gibt’s Leute, die sollten sich ein Schild um den Hals hängen: ‹Verlierer›. Alles, was ich anpacke, wird Schrott.» Unrecht hat Pisto (Nahuel Häflinger) natürlich nicht: Die Differenz zwischen Sein und Bewusstsein ist bei Hupka tatsächlich ganz besonders imposant. Denn...
