Berlin: Gevatter Tod
Sterben ist ein Ende ohne Pointe. Aber manch Lebensfrohen macht das Ausweglose auch trotzig, Ragnar Kjartansson zum Beispiel. Der isländische Musiker, Künstler und Inszenator zeigt es dem Tod mal so richtig mit seiner Bauchschuss-Sinfonie «Krieg», damit wenigstens die im Leben Zurückgebliebenen was zu schmunzeln haben.
Sein zweiter Abend an der Volksbühne knüpft da an, wo sein erster geendet ist: am großen romantischen Bühnenprospekt, den er in «Der Klang der Offenbarung des Göttlichen» 2014 noch menschenleer durch subtile Lichtstimmungsänderungen zur Projektionsfläche für die Kopfoper des Zuschauers anbot.
Diesmal ist die nach Skizzen Kjartanssons handgemalte Berglandschaft weniger an alten Wagnerkulissen orientiert als an Caspar David Friedrich im Zustand der verlorenen Schlacht. Wenn der Vorhang sich zu schmiegsamen Akkordfolgen langsam hebt und in die Blaue Stunde getauchte Gebirgszüge schemenhaft erkennen lässt, dann ist die Prise Otto Dix in dem Idyll noch eine Ahnung. Zwei Lagerfeuerchen glimmen, alles Hölzerne vom Baum zum Wagenrad und Lattenzaun ist arg zerzaust und traurig auch, und eine einsame Kanone wartet hinter einem Hügelchen.
Fürs Sterben braucht es dann einen sehr ...
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Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Till Briegleb
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