Berlin: Gevatter Tod
Sterben ist ein Ende ohne Pointe. Aber manch Lebensfrohen macht das Ausweglose auch trotzig, Ragnar Kjartansson zum Beispiel. Der isländische Musiker, Künstler und Inszenator zeigt es dem Tod mal so richtig mit seiner Bauchschuss-Sinfonie «Krieg», damit wenigstens die im Leben Zurückgebliebenen was zu schmunzeln haben.
Sein zweiter Abend an der Volksbühne knüpft da an, wo sein erster geendet ist: am großen romantischen Bühnenprospekt, den er in «Der Klang der Offenbarung des Göttlichen» 2014 noch menschenleer durch subtile Lichtstimmungsänderungen zur Projektionsfläche für die Kopfoper des Zuschauers anbot.
Diesmal ist die nach Skizzen Kjartanssons handgemalte Berglandschaft weniger an alten Wagnerkulissen orientiert als an Caspar David Friedrich im Zustand der verlorenen Schlacht. Wenn der Vorhang sich zu schmiegsamen Akkordfolgen langsam hebt und in die Blaue Stunde getauchte Gebirgszüge schemenhaft erkennen lässt, dann ist die Prise Otto Dix in dem Idyll noch eine Ahnung. Zwei Lagerfeuerchen glimmen, alles Hölzerne vom Baum zum Wagenrad und Lattenzaun ist arg zerzaust und traurig auch, und eine einsame Kanone wartet hinter einem Hügelchen.
Fürs Sterben braucht es dann einen sehr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2016
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Till Briegleb
Don’t talk, act!», fordert eine junge Künstlerin die Herren der Theaterleitung des Soweto Theatre auf, die wie viele andere in die Jahre gekommenen Befreiungskämpfer eine eher durch Korruption denn durch politische Erfolge glänzende Elite Südafrikas repräsentieren. In dem erst vor vier Jahren eröffneten Theater mitten in den South Western Townships von Johannesburg...
Christoph Funke, 1934 geboren, in Chemnitz aufgewachsen, wurde nach einem Studium der Germanistik bei Hans Mayer in Leipzig bald einer der bestimmenden Theaterkritiker der DDR. Von 1956 bis zur Schließung 1991 war er Kritiker, später auch leitender Kulturredakteur der Zeitung «Der Morgen» und unter Theaterleuten als integerer publizistischer Begleiter hoch...
Till Briegleb Clemens Sienknecht, wie kommt man als Regisseur und Musiker auf die Idee, einen traurigen Roman über ein ungelebtes Leben wie Fontanes «Effi Briest» mit einer lustigen Radioshow aus den Siebzigern zu verbandeln?
Clemens Sienknecht Als ich Fontanes Roman las, stellte ich mir vor, dass die Geschichte von einer Schallplatte erzählt wird. Innstetten tritt...
