Tableaux der Deformation
Zwei Königinnen auf einer großen Bühne, getrennt durch eine Wand, ausladend Platz für beide: der Idealzustand. Weil es aber in Michael Thalheimers Planspiel nach Schiller kein gerechtes Teilen von Macht, Gunst und Einfluss geben kann, verharrt Olaf Altmanns riesige schwarze Trennwand nicht in der Bühnenmitte, sondern dreht mal schräg nach links, mal nach rechts, verkleinert bzw. vergrößert den Spielraum der jeweiligen Königin. Immer wieder wird eine der beiden an den Rand gedrängt, bleibt aber präsent, auch wenn die Szene gerade der anderen gehört.
Schicksalhaft sind die beiden miteinander verbunden. «Schwester» wird Maria, die schottische Königin, später Elisabeth, die Regentin von England, nennen, um die Ranggleichheit und die entfernte Verwandtschaft zu betonen. Aber von Anfang an lässt Bert Wrede bedrohliche Gitarrenklänge durch den Raum hallen. Klar, dass das Ganze kein gutes Ende nehmen wird.
Thalheimer hat Schillers großes politisches Drama nicht entkernt, aber zumindest entschlackt. Die meisten Nebenfiguren sind gestrichen, und deshalb muss besonders Valery Tscheplanowas der Verschwörung angeklagte Maria Stuart die meiste Zeit allein für sich
einstehen. Im edelschlichten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Paula van Bergen
Sagen wir es so: Die Talfahrt hat sich etwas verlangsamt.» Tamás Ascher, der als einer der wichtigsten Regisseure des Landes vor allem am Budapester Katona József Theater inszeniert, meint damit, dass die ganz großen Eingriffe der rechten Fidesz-Regierung bislang ausgeblieben sind. Zumindest im Hauptstadttheater. Bei anderen großen Kultureinrichtungen und erst...
Fern sei es von mir, die Kompetenz der Jury des Theatertreffens in Zweifel zu ziehen. Ich wollte nie dabei sein (Joachim Sartorius ist mein Zeuge), will es auch künftig nicht. Keineswegs bloß aus Bequemlichkeit: Ästhetische Urteile erscheinen mir prinzipiell fragwürdig, daran kön-nen Mehrheitsentscheidungen wenig ändern. Lieber verlasse ich mich deshalb auf meine...
Das Lesen kann einen manchmal auf fast so dumme Gedanken bringen wie z.B. das
Spielen von «Counter Strike». Das gilt offenbar vor allem für die Lektüre von Dostojewski
und vor allem, wenn man ihn nur halb versteht. Die Wiedergänger der «Dämonen»-Helden aus Dostojewskis 900-Seiten-Roman von 1873 jedenfalls, die in Kornél Mundruczós «Zeit
der Besessenen» als «vierte...
