Systemkritik im System
Weltweit sind Bewegungen und Parteien auf dem Vormarsch, die als populistisch zu kennzeichnen sind. Die einschlägigen Beispiele reichen vom Aufstieg der AfD in Deutschland bis hin zu den Wahlerfolgen des Rassemblement National in Frankreich oder von Donald Trump in den USA. So unterschiedlich die Situation in den Ländern auch sein mag, die jeweiligen Bewegungen sind durch ein gemeinsames Merkmal verbunden. Ihr selbsterklärter Anspruch besteht darin, den «Volkswillen» gegen die «Eliten» und «Funktionäre» zu mobilisieren.
Der Appell an das Volk, das sich gegen die Eliten wendet, bleibt allerdings nicht auf die politische Rechte beschränkt. Die sozialwissenschaftliche Forschung beobachtet schon lange (neo-)liberale, linke oder zentristische Populismen: Sie klagen die ökonomisch Mächtigen im Namen eines inklusiven Volks der Arbeit an (Linkspopulismus), begehren gegen staatliche Regulierungen im Namen der Eigeninitiative eines liberalen Volkes der Selbstunternehmer auf (neoliberaler Populismus) oder wollen einen gemäßigten «gesunden Menschenverstand» gegen die Streitlust rechter und linker Berufspolitiker durchsetzen (populistischer Zentrismus).
Auch in unserer Gegenwart bleibt der ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 34
von Kolja Möller
Achtsamkeit ist eine Tugend, die in allen Lebensbereichen Anwendung finden darf: nicht nur in den privaten Gefilden, sondern unbedingt auch im öffentlichen Raum und im Berufsleben. Im Sport, insbesondere im Fußball, mögen große Emotionen öfter hochkochen als im allgemeinen Durchschnittsalltag. Aber selbst Profifußballer sind Menschen, die in ihrem Leben darauf...
Falk Schreiber Lina Beckmann, ich möchte zunächst über Karin Henkels Shakespeare-Überschreibung «Richard the Kid & the King» am Hamburger Schauspielhaus reden, in der Sie die Hauptrolle spielen. Was ist dieser Richard eigentlich für eine Figur? Warum ist der so, wie er ist?
Lina Beckmann Eine Frage, die wir uns gestellt haben, ist: Wird jemand so, wie er ist, weil...
Hier bleibt alles, wie’s ist: Das heißt, es wird schlimmer …», stellt Caren Jeß ihrem Stück im Prolog voran. «Die Walküren» – bei ihr, die das Stück aus dem Chor der neun mythologischen Wesen heraus denkt, explizit im Plural – nimmt deutlich Bezug auf Richard Wagners fast gleichnamiges Musikdrama und ist doch mehr als eine Überschreibung. Jeß potenziert den Stoff,...
