Super bekannt und extrem fremd
Bislang stand am Ende von John Drydens «Dramatick Opera» das feierliche Lob der britischen Nation. Ein freudiger Festakt nach vollbrachten Kämpfen: Die Briten haben über die auf die Insel vorgerückten Sachsen gesiegt, König Arthur mit Emmeline die Frau gewonnen, um die er mit dem Sachsenherrscher Oswald gestritten hat, selbst Zauberer Merlin hat Hexer Guillamar vom Kontinent ausgetrickst. Die Sieger schreiben ihre Geschichte, während die Verlierer zähneknirschend auf Rache sinnen.
Nicht so bei Ewald Palmetshofer am Theater Basel.
Hier gibt es weder Sieger noch Besiegte, sondern nur Erschöpfte. Hier schlägt Merlin am Ende einen radikal vorbildlichen Vertrag über die Gleichheit aller Menschen vor, über «einen Frieden, der diese Müdheit, Mattheit, die Erschöpfung ernst nimmt». Genauer: «was klein macht / klein hält / Scham und Schande / Spott und Häme streut / Gewalt / was sich bevorteilt / seinen Fuß auf andre setzt / sich besser wähnt / sich drüber stellt / nach unten tritt / statt hoch zu helfen / DAS / all DAS ist unser Übel.» Die gewaltige Drei-Sparten-Anstrengung, die zum Saisonauftakt Regisseur Stephan Kimmig und Dirigent Christopher Moulds zusammen mit dem La Cetra ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August 2017 in Kronstadt. Im ehemaligen Kulturhaus der Baltischen Flotte dreht der Regisseur Sequenzen seines neuen Films. Weniger ihm als seiner engsten Mitarbeiterin steht der Stress der vergangenen Monate ins Gesicht geschrieben, auch die Stinkefinger-Brosche an ihrem Kleid kann darüber nicht hinwegtäuschen: Als der...
Von diesem Schatten geht nichts Gutes aus. Mondbleich starren die Schlosswächter aus ihrem Ausguckkasten heraus auf das Phantom, das über die nachtschwarze Zürcher Pfauenbühne schleicht. Polonius (Gottfried Breitfuß) steht dabei, Horatio auch (Edmund Telgenkämper), keinem will sich die Erscheinung erklären. Es ist der Geist der Endzeit, der hier umgeht. Das...
In Christophe Marthalers Inszenierung von Shakespeares «Der Sturm», in der kein Sturm tobte, aber eine seltsam verzaubernde Windstille erblühte, nämlich das im Untertitel versprochene «petit rien», spielte Robert Hunger-Bühler den Ariel als grimmigen Kellner im Frack. Er schien wie die in einer Art Wartesaal versammelten Gäste sein Leben als Schiffbruch erlitten zu...
