Bücher: Herrn Prosperos armer Vetter

Ein Buch über den und von dem Schauspieler Robert Hunger-Bühler

Theater heute - Logo

In Christophe Marthalers Inszenierung von Shakespeares «Der Sturm», in der kein Sturm tobte, aber eine seltsam verzaubernde Windstille erblühte, nämlich das im Untertitel versprochene «petit rien», spielte Robert Hunger-Bühler den Ariel als grimmigen Kellner im Frack. Er schien wie die in einer Art Wartesaal versammelten Gäste sein Leben als Schiffbruch erlitten zu haben, in seinem verschlafenen Verhalten schimmerte die Schwermut einer ruinierten Existenz durch.

Diesen lemurenhaften Ariel setzte Hunger-Bühler mit dem Herrn Robert in Marthalers «Jubiläumskonzert in zwei Aufzügen» fort, einer Collage aus Karl Valentins «Tingeltangel» und Maurice Maeterlincks «Der Eindringling». Über den Valentins Orchesterwart neu belebenden Existenzschussel, in dem immense Trauer über die Flüchtigkeit der Musik rumort, schrieb Benjamin Henrichs: «Vor allem hat Herr Robert den unwiderstehlichen Blick eines uralten, tausendmal geprügelten Hundes – und das unsägliche Glück vom Schauspieler Robert Hunger-Bühler, einem Genie des Trübsinns, erschöpfend interpretiert zu werden. Herr Robert ist ein Würstchen. Aber gleichzeitig ist er so etwas wie Herrn Prosperos armer Vetter. Der Herr über die Lichter und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Klaus Völker

Weitere Beiträge
Wien: Fräuleins als Ware

Ödön von Horváths traurige White-Trash-Figuren haben Konjunktur. Seine Arbeitslosenballaden sind schließlich ideal, um über die emotionale Kälte unserer neoliberalen Gesellschaft und aktuelle Entsolidarisierungstendenzen, die soziale Ungleichheiten verschärfen, zu erzählen. Die #MeToo-Debatte könnte Horváth weiteren Auftrieb geben: Zur Ware degradiert wurden jene...

Augsburg: Uhrwerk Orest

Blut ist eine hartnäckige Flüssigkeit. Es klebt an Körpern und Kleidern, macht zuverlässig ein schlechtes Gewissen und will, einmal vergossen, einfach nicht aus der Welt verschwinden. Es wird weitergetragen, von Generation zu Generation: Blut ist dicker als Wasser, und seine Verwandten kann man sich nun mal nicht aussuchen. 

Das gilt auch für Orest, den letzten...

Film: «Das hat nie stattgefunden!»

Ich besuche Kirill Serebrennikov Anfang August 2017 in Kronstadt. Im ehemaligen Kulturhaus der Baltischen Flotte dreht der Regisseur Sequenzen seines neuen Films. Weniger ihm als seiner engsten Mitarbeiterin steht der Stress der vergangenen Monate ins Gesicht geschrieben, auch die Stinkefinger-Brosche an ihrem Kleid kann darüber nicht hinwegtäuschen: Als der...