Die vierte Form des Wahnsinns
Der verrückte Ignaz» – so unterschrieb Ignaz Kirchner seine Postkarten, die er ohne konkreten Anlass oft an mich sandte. Es waren poetische Zurufe mit dem Bild eines Dichters meist und mit einer pointierten Weisheit, die Ignaz verkündet wissen wollte. Immer wieder mit Sätzen von Dichtern, die er gerade für sich entdeckt und ergründet hatte, für die er mit seinen Lesungen, die es in sich hatten, eintrat.
Ignaz war ja nicht nur äußerst belesen (er war gelernter Buchhändler und blieb es in einem anderen, gesteigerten Sinn sein Leben lang), er gab sich seinen Dichtern buchstäblich hin, als ob er ein Teil von ihnen werden möchte. Mit dem Maler und Grafiker Jan Peter Tripp, der ihn mehrfach porträtiert hat, unternahm er Wanderungen, strikt gewandet wie Robert Walser, also in Anzug und Straßenschuhen. Nein, die Dichtung war ihm nicht beiläufige Freizeitbeschäftigung, sie war ihm Existenzerrettung, um einen Begriff Thomas Bernhards zu zitieren, dessen Stücke Ignaz auch gespielt hat. Die Dichtung war ihm der rettende Sprung in die Freiheit der Poesie. Das machte ihn zu einem unabhängigen Geist, fähig zu schroffer Zurückweisung und fähig zu unerwarteter Hingabe.
Mit absoluter Hingabe las ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Nachruf, Seite 40
von Hermann Beil
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