Stuttgart: In der Wiederholungsschleife
11. März 2004: In Madrid ist es 7.39 Uhr, als die erste Bombe hochgeht. Neun weitere Detonationen folgen: in vier Vorortzügen, in denen dicht gedrängt Pendler zur Arbeit, Kinder zur Schule und Studierende zur Uni fahren. 191 Menschenleben forderte das Attentat. Noch Jahre danach wird ein Vater immer wieder die Bahnstrecke abfahren, in der Hoffnung, seine Tochter doch noch wiederzusehen. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Sie gehörte zu jenen Opfern, deren Körper in kleinste Teile zerfetzt wurden.
In Roland Schimmelpfennigs neuem Theaterstück «100 Songs», das jetzt im Kammertheater des Stuttgarter Schauspiels als deutsche Erstaufführung in einer Inszenierung des Autors Premiere hatte, geht es auch um ein Attentat, das einen Zug in die Luft sprengt. Das Ereignis selbst wird am Ende allerdings nur durch ein paar Theaterblutspritzer angedeutet. Denn «100 Songs» befasst sich mit den Minuten davor. Die Zeit scheint eingefroren. Die Opfer und die Menschen, die zufällig Zeuge der Explosion werden, berichten, was ihnen oder anderen in diesen drei Minuten vor 8.55 Uhr, dem Zeitpunkt der Katastrophe, durch den Kopf geht – und das in lebensnaher praller Banalität.
Da kreuzen sich zufällig die ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Verena Großkreutz
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