Sterben in Zürich
Dora hatte auch so eine Mama. Dora, die unberechenbare, zurückgebliebene Hauptfigur in Lukas Bärfuss’ vorletztem Stück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern». Doras Mama war überbesorgt, dominierend und sehr zufrieden mit sich und der Art, wie sie damit umging, eine behinderte Tochter zu haben. Alices Mutter in dem neuen Stück «Alices Reise in die Schweiz» ist genauso. Aufopferung für ihr Kind ist der Inhalt ihrer Tage. Alice, obwohl längst erwachsen, kann unbetreut nicht leben – sie ist unheilbar krank und braucht ihre Mama, meint jedenfalls die Mama.
Dora – und an dem Punkt bekam die symbiotische Idylle damals einen Riss – wollte lieben und leben, wie es ihr passte. Alice will sterben, Schluss machen, dem Elend ihrer dumpfen Tage ein Ende setzen. Und natürlich fort von Mama. Hilfe braucht sie immer noch, diesmal beim Selbstmord. Sie hat jemanden gefunden, der dazu bereit und in der Lage ist, denn betreuter Selbstmord ist das Metier des studierten Mediziners Gustav Strom.
Es geht also diesmal um Sterbehilfe. Ein Thema, über das vernünftige Menschen heute vernünftig und verantwortungsbewusst debattieren. Scheu und Abwehr weckt es lange nicht mehr. Gerade die vielfältigen ...
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Premiere in Aalen, «Dilldap» am Sonntagnachmittag im Dezember, hin mit den Kindern, in die Märchenkomödie von Dorst und Ehler mit Igel, Schnecke, Perlhuhn und natürlich einem Riesen, mit vielen, vielen Rollen und Verkleidungen. Doch «Dilldapp» in Aalen war einfach Brentanos Märchen. Um, in und unter einem schön schief gezimmerten Kasperlehäuschen spielten sich...
Im Tagebuch vom Dezember 1985 notiert Andrej Tarkowski – exakt ein Jahr vor seinem Tod –, dass er für eine Vorlesung in Stockholm vier Illustrationen von Filmszenen benötige: Buñuels «Los Olvidados» – der Traum mit dem Fleisch; Bergmans «Wilde Erdbeeren» – der Traum mit dem Sarg auf der Waldlichtung; Fellinis «Achteinhalb» – der freudianische Anfang im Tunnel;...
Ein kluger und neugieriger Beobachter von Theater, Georg Hensel, schrieb: «In den sechziger Jahren krempelte Minks das, was man bis dahin unter Bühnenbild verstand, gründlich und nachhaltig um. Er hat dem Theater neue Spielräume und Spielformen erschlossen: die reißerische Signalwirkung der Zeichen und der Zitate aus Schrift, Historie und Malerei; die Konzentration...
