Im Prozess der Selbstverfehlung

Uraufführung eines Alterswerks: Tankred Dorsts «Die Wüste» in Dortmund

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Die Wüste – alle wollen hin, keiner will dort leben. Der ideale Ort des Tourismus, das Gegenbild unserer Bedürfnisbefriedigungswelt und Erlebnisgesellschaft, das wir brauchen um zu wissen, was Bedürfnis und Erlebnis eigentlich sind. Die Wüste – wo sonst keiner leben will, wollen gerade die leben, die auf alles verzichten wollen. Der ideale Ort der Heiligen. Fern der Menschen, nahe bei Gott, so stiegen sie auf ihre Säulen wie Symeon Stylites. Oder nahe beim Teufel, so ließen sie sich versuchen wie der heilige Antonius, die Einsiedler und Anachoreten.

Diese zwei Aspekte der Wüste vereint die Biografie des Vicomte Charles de Foucauld: vom dekadenten Aristokraten und arroganten Kolonialoffizier zum barfüßigen Heiligen und Freund der Unterdrückten. Stoff für eine moderne Heiligenlegende, am kommenden Pfingsten wird er in Rom offiziell von der katholischen Kirche selig gesprochen werden. Stoff für ein Theaterstück: Tankred Dorst hat es nach noch weiter zurückreichenden Vorarbeiten, wie immer zusammen mit Ursula Ehler, schon 2001 verfasst. Es ist nicht das erste Stück Dorsts über eine historische Figur: Toller, Heine, d’Annunzio, Hamsun, der Infant Karlos sind alle schon in Dorsts ...

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Theater heute April 2005
Rubrik: Neue Stücke, Seite 47
von Gerhard Preußer

Vergriffen
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