Stell dir vor, es ist Sex, und keiner schaut hin
Vor etwas mehr als hundert Jahren fragten sich die Menschen in Tschechows Stücken, wie die Welt in zweihundert Jahren wohl aussehen würde. Paradiesisch stellten sie es sich vor. Da es allen wesentlich besser gehen würde, vermuteten sie, wären zweihundert Jahre später alle auch bessere Menschen. Kriege zum Beispiel würde es auf keinen Fall mehr geben. Da wir heute noch nicht wissen, wie die Menschen sich in den nächsten hundert Jahren verhalten werden, ist an dieser Stelle lediglich eine Halbzeitbilanz möglich. Und die fällt leider nicht wirklich schmeichelhaft aus.
Okay, in einigen Teilen der Welt geht es den Menschen derzeit tatsächlich besser, dummerweise sind die, denen es besser geht, aber nicht automatisch bessere Menschen, sondern ganz im Gegenteil sehr häufig besonders machthungrig, habgierig und skrupellos. Auf so Gedanken kann man kommen, hört man im Hessischen Staatstheater dieses «Nach Moskau» dreier Schwestern, die Tschechow so elegisch in der russischen Provinz vertrocknen lässt, während die Soldaten vor Ort für Abwechslung zuständig sind. Ist ja gerade nirgendwo Krieg! Batteriekommandeur Werschinin zum Beispiel sorgt dafür, dass Mascha zeitweise ihren langweiligen ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Jürgen Berger
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