Stell dir vor, es ist Sex, und keiner schaut hin
Vor etwas mehr als hundert Jahren fragten sich die Menschen in Tschechows Stücken, wie die Welt in zweihundert Jahren wohl aussehen würde. Paradiesisch stellten sie es sich vor. Da es allen wesentlich besser gehen würde, vermuteten sie, wären zweihundert Jahre später alle auch bessere Menschen. Kriege zum Beispiel würde es auf keinen Fall mehr geben. Da wir heute noch nicht wissen, wie die Menschen sich in den nächsten hundert Jahren verhalten werden, ist an dieser Stelle lediglich eine Halbzeitbilanz möglich. Und die fällt leider nicht wirklich schmeichelhaft aus.
Okay, in einigen Teilen der Welt geht es den Menschen derzeit tatsächlich besser, dummerweise sind die, denen es besser geht, aber nicht automatisch bessere Menschen, sondern ganz im Gegenteil sehr häufig besonders machthungrig, habgierig und skrupellos. Auf so Gedanken kann man kommen, hört man im Hessischen Staatstheater dieses «Nach Moskau» dreier Schwestern, die Tschechow so elegisch in der russischen Provinz vertrocknen lässt, während die Soldaten vor Ort für Abwechslung zuständig sind. Ist ja gerade nirgendwo Krieg! Batteriekommandeur Werschinin zum Beispiel sorgt dafür, dass Mascha zeitweise ihren langweiligen ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Jürgen Berger
Marode Theaterbauten sind ein kommunales Angstthema. Wie verlässlich sind die Kostenplanungen? In welchem Zeitrahmen sind Projekte durchführbar? Kommen angesichts der angespannten Lage auf den Märkten noch weitere unkalkulierbare Preissteigerungen hinzu? Die Angst vor solchen Risiken führt in vielen Städten zu kontroversen Diskussionen über Sanierung oder Neubau,...
SZENE 0
Eingeblendeter Text:
Im Sommer 2018 war ich in Polen auf der Suche nach Zeugen der Operation Wisła.
Sie sind jetzt schon sehr alt und fast alle sind Frauen. Ihre Geschichten sind fast alle gleich.
«Wir waren auf dem Feld. Dann kam ein Soldat. Er hat gesagt, wir haben eine Stunde zum Packen. Wir kamen zum Bahnhof. Mussten in Viehwaggons einsteigen. Wir...
TV-Hinweise und Streaming für August/September
6.8./SAMSTAG 19.20, 3sat: Ich rechne, also bin ich
Die Dokumentation von Volker Strübing untersucht jene Bereiche, die wir bereitwillig einer KI überlassen, und solche, in denen uns ihr Einsatz befremdlich vorkommt. Von Robotern, die in der Pflege eingesetzt werden, bis zu dichtenden KIs, die Theatertexte schreiben.
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