Stehen und beben

Kleist «Amphitryon» (Hans-Otto-Theater, Schlosstheater im Neuen Palais)

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«Ach», Alkmenes Brustseufzer der Enttäuschung, war selten so angebracht: Dieser schlunzige Unterhemdträger soll ihr wahrer Angetrauter Amphitryon (Christoph Hohmann) sein? Und schlimmer noch: Jener ist das gött­liche Double, der bärtig zauselige Mietskasernen-Jupiter im – ach – Unterhemd (Peter Pagel)? Verständlich, dass diese Alkmene (Marianna Linden) den amourösen Verwechs­lungsspuk durchweg mit entsagungsvoll hochgezogenen Augenbrauen durchdämmert.



Kann gut sein, dass man Kleist im Jubiläumsjahr gerade im Brandenburgischen vor dem Nimbus des reinlichen Heimatdichters bewahren muss, zumal im friderizianischen Hofguckkasten des Neuen Palais von Sanssouci. Gegen dessen barocke Pracht kann man schon mal ein paar Spritzer aus der milieudramatischen Küchenspüle wagen. Nur spritzt in dieser Kleist-Ausnüchterung der jungen Regisseurin Julia Hölscher leider gar nichts.

Bedeutungsvoll beäugt Amphitryon zwei leere Weingläser als Trophäen einer Party, die nicht stattfindet. Die Kleistsche Wortartistik und der Hochseilakt des Tragikomischen werden flach geturnt in beharrlich gleichförmigem Leidensdruckpathos. Man steht und bebt und
steht. Amphitryon, wenn er hinreichend erschüttert ist, wirft ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Christian Rakow

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