Für welche Ewigkeit?
Die Haltbarkeit von Tiefkühlkost ist länger als die von jedem neuen deutschen Stück. Das Schlemmer-Schellfisch-Filet oder der Delicatesse-Spinat-Gorgonzola-Auflauf, die man morgens im Supermarkt kauft, lassen sich noch genießen, wenn die Uraufführung vom Abend längst zum Archiveintrag verkommen sein wird. Selbst geistige Lebensmittel, die mit Preisen konserviert wurden, schaffen es nur selten aus der Mülltonne des Vergessenen noch einmal auf die Bühne künstlerischer Transferempfänger.
Von den sieben Stücken etwa, die 2006 als beste ihres Jahrgangs zum Stücke-Festival nach Mülheim eingeladen wurden, steht fünf Jahre später keins mehr auf irgendeinem Speiseplan der deutschsprachigen Gourmet-Bühnen. Weder der Sieger des wichtigsten deutschen Dramatikerpreises, «Cappuccetto Rosso» von René Pollesch, noch die Kandidaten: Händl Klaus’ «Dunkel lockende Welt», Elfriede Jelineks «Babel», Moritz Rinkes «Café Umberto», Gert Jonkes «Die versunkene Kathedrale», Andres Veiels und Gesine Schmidts «Der Kick» oder Kathrin Rögglas «draußen tobt die dunkelziffer». Alles längst Biografie-Kompost der Autoren, auf dem sich neue Saisonleistungen züchten lassen – oder auch nicht mehr, wie im Fall von ...
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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Mülheimer Stücke, Seite 28
von Till Briegleb
Wenn in der nächsten Woche die Regierung zurücktritt, darf auf Demonstrationen getanzt werden», beendet Heiner Müller seine Rede am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz. Zukunftsbesorgt hatte er davor zur «Gründung freier Gewerkschaften» aufgerufen − die Volksstimme buht. Jetzt jubelt sie, eine halbe Million, deren «Euphorie» und «Bedürfnis nach einem...
Es war 1995 bei den Proben zu «Nibelungen – Born Bad». Herbert Fritsch, der den Hagen spielte, hatte sich als Kostüm ein Kettenhemdröckchen, langes Blondhaar und schwarze Strumpfhosen ausgesucht. Als besonderen Clou bestellte er in der Schlosserei für jeden Auftritt ein immer größeres Schwert, das er schließlich in voller Bühnenbreite über die Szene schleifte. Da...
Sagen wir es so: Die Talfahrt hat sich etwas verlangsamt.» Tamás Ascher, der als einer der wichtigsten Regisseure des Landes vor allem am Budapester Katona József Theater inszeniert, meint damit, dass die ganz großen Eingriffe der rechten Fidesz-Regierung bislang ausgeblieben sind. Zumindest im Hauptstadttheater. Bei anderen großen Kultureinrichtungen und erst...
