Staying with the trouble
Vor allem ist Theater ein Medium des Zusammenkommens; ein Ort, um sich über sich selbst zu verständigen, sich auszuprobieren, zu diskutieren. Auch deshalb sind nach wie vor viele Künstler:innen fasziniert von Occupy Wall Street und anderen aktivistischen Eruptionen: Weil sie zeigen, wie kraftvoll ein Raum gemeinsamer Präsenz und Imagination sein kann. Während aktivistische Bewegungen ihre Versammlungen jedoch meist als authentische Verhandlung verstehen, ist das Theater von Authentizität ebenso fasziniert wie es ihr misstraut.
Indem es gleichzeitig authentisch und nichtauthentisch ist, kann es komplexe Zwischenpositionen beziehen, die es ermöglichen, teilzuhaben und sich gleichzeitig von außen selbst zu beobachten. Diese seltsame Praxis auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion ist vielleicht das Wichtigste, das Theater in den hitzigen politischen Kämpfen unserer Zeit zu bieten hat.
Oder zu bieten hatte? Denn das Konzept der deliberativen Versammlung ist in den jüngsten Kämpfen um kulturelle Hegemonie ziemlich grundsätzlich zwischen die Fronten geraten: Welchen Meinungen, welchen Konflikten kann das Theater ein Forum bieten? Zu welchen sollte es schweigen? ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Florian Malzacher
Wie finster die Welt geworden ist, kann man in den jüngeren Inszenierungen am Badischen Staatstheater Karlsruhe schon beinah körperlich spüren. Ob in Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» oder Bertolt Brechts «Furcht und Elend des Dritten Reiches» – stets suchen Figuren vor dunklem Hintergrund nach Halt. Vergeblich! Ähnlich düster mutet Adrian Figueroas Adaption von...
Riesig prangt der Satz «Langsam fängt es bereits an zu dämmern» über der Großen Bühne des Basler Theaters. Die ist leer, wird nur auf beiden Seiten von vier halbrund gebogenen Gerüsten mit Leuchtstäben begrenzt. Die so entstandene Röhre stellt die Menschen aus, lässt an ein zu großes Kirchenschiff denken oder an eine U-Bahn-Station, die zum Schutzraum geworden ist...
Wenn alte Autokraten auf den Gräbern der Gerechtigkeit tanzen, steht die junge Generation ratlos am Rande. Und wenn so ein Regime erst einmal richtig fault, wird aus vermeintlichen Thronfolger:innen eine Jugend ohne Zukunft, ohne Macht. Im glimpflichen Fall widmet sie sich ihren Zweifeln oder der Zerstreuung. Im weniger glimpflichen Fall ihrem Untergang. Das ist...
