Staying with the trouble
Vor allem ist Theater ein Medium des Zusammenkommens; ein Ort, um sich über sich selbst zu verständigen, sich auszuprobieren, zu diskutieren. Auch deshalb sind nach wie vor viele Künstler:innen fasziniert von Occupy Wall Street und anderen aktivistischen Eruptionen: Weil sie zeigen, wie kraftvoll ein Raum gemeinsamer Präsenz und Imagination sein kann. Während aktivistische Bewegungen ihre Versammlungen jedoch meist als authentische Verhandlung verstehen, ist das Theater von Authentizität ebenso fasziniert wie es ihr misstraut.
Indem es gleichzeitig authentisch und nichtauthentisch ist, kann es komplexe Zwischenpositionen beziehen, die es ermöglichen, teilzuhaben und sich gleichzeitig von außen selbst zu beobachten. Diese seltsame Praxis auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion ist vielleicht das Wichtigste, das Theater in den hitzigen politischen Kämpfen unserer Zeit zu bieten hat.
Oder zu bieten hatte? Denn das Konzept der deliberativen Versammlung ist in den jüngsten Kämpfen um kulturelle Hegemonie ziemlich grundsätzlich zwischen die Fronten geraten: Welchen Meinungen, welchen Konflikten kann das Theater ein Forum bieten? Zu welchen sollte es schweigen? ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Florian Malzacher
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