Prinz ohne Zukunft

Shakespeare «Hamlet» am Schauspielhaus Stuttgart und am Theater Freiburg

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Wenn alte Autokraten auf den Gräbern der Gerechtigkeit tanzen, steht die junge Generation ratlos am Rande. Und wenn so ein Regime erst einmal richtig fault, wird aus vermeintlichen Thronfolger:innen eine Jugend ohne Zukunft, ohne Macht. Im glimpflichen Fall widmet sie sich ihren Zweifeln oder der Zerstreuung. Im weniger glimpflichen Fall ihrem Untergang. Das ist dann die Zeit, in der die Theater auf «Hamlet» zurückgreifen, derzeit etwa in Stuttgart und Freiburg.

Am Schauspiel Stuttgart ist der Totengräber früh dran, seine Schaufel wummert gegen den Eisernen Vorhang – ein Glockendonnerschlag, den Franz Pätzold direktverwertet: «I won’t take no prisoners, won’t spare no lives», röhrt sein Hamlet ins Schauspielhaus und gönnt sich mit den Stiefeln auf der dänischen Thronsaaltafel einmal «Hell’s Bells» mit allem – was knallhardrockig ist, aber auch verwunderlich für einen, der eine ganze Weile mit seinen Rachegedanken hadert. Die Rolle des finsteren Bluesclowns steht Klaus Rodewalds Totengräber besser; er wird sie mehrfach genüsslich ausfüllen.

Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski trimmt seine Inszenierung auf Effekt-Effizienz: Der Hof zecht und tanzt, dem König (Felix Strobel) ...

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Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter

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