Prinz ohne Zukunft
Wenn alte Autokraten auf den Gräbern der Gerechtigkeit tanzen, steht die junge Generation ratlos am Rande. Und wenn so ein Regime erst einmal richtig fault, wird aus vermeintlichen Thronfolger:innen eine Jugend ohne Zukunft, ohne Macht. Im glimpflichen Fall widmet sie sich ihren Zweifeln oder der Zerstreuung. Im weniger glimpflichen Fall ihrem Untergang. Das ist dann die Zeit, in der die Theater auf «Hamlet» zurückgreifen, derzeit etwa in Stuttgart und Freiburg.
Am Schauspiel Stuttgart ist der Totengräber früh dran, seine Schaufel wummert gegen den Eisernen Vorhang – ein Glockendonnerschlag, den Franz Pätzold direktverwertet: «I won’t take no prisoners, won’t spare no lives», röhrt sein Hamlet ins Schauspielhaus und gönnt sich mit den Stiefeln auf der dänischen Thronsaaltafel einmal «Hell’s Bells» mit allem – was knallhardrockig ist, aber auch verwunderlich für einen, der eine ganze Weile mit seinen Rachegedanken hadert. Die Rolle des finsteren Bluesclowns steht Klaus Rodewalds Totengräber besser; er wird sie mehrfach genüsslich ausfüllen.
Schauspielintendant Burkhard C. Kosminski trimmt seine Inszenierung auf Effekt-Effizienz: Der Hof zecht und tanzt, dem König (Felix Strobel) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter
Aus tiefem Dunkel tritt uns Salome entgegen. Mit schwarzem Kajalstrich unter den Augen, ein Punk oder Gothic Girl, das mit einem Bein bereits im Reich des Todes steht.
Dabei besetzt Salome in der abendländischen Mythologie eher die diesseitigen Gefilde. Sie verkörpert die sinnliche, weltliche Rache am Gottesmann Johannes dem Täufer, dessen Enthauptung Salome mit...
Das Leben im Himmel stellt man sich am Schauspiel Magdeburg plüschig-pink vor. Auf der Bühne ist alles und jeder in ein zartes Pink getaucht: Himmelswächter Petrus in seinem Leder-Overall, die langhaarigen Engel und die riesigen flauschigen Bälle, die man einander federleicht zuwirft.
Doch die Idylle wird jäh gestört, als auf der Erde ein Weltkrieg auszubrechen...
Christine Wahl Frau Schlewitt, herzlichen Glückwunsch zum Theaterpreis des Bundes 2026! In einem Text über Ihr Haus wird eine Zuschauerin mit dem Satz zitiert: «Wenn es HELLERAU nicht gäbe, wäre ich schon längst weg aus Dresden.» Was findet sie bei Ihnen, was ihr sonst in der Stadt fehlt?
Carena Schlewitt Ich glaube, ein großer Reiz besteht tatsächlich darin, dass...
