Der große Totentanz
Riesig prangt der Satz «Langsam fängt es bereits an zu dämmern» über der Großen Bühne des Basler Theaters. Die ist leer, wird nur auf beiden Seiten von vier halbrund gebogenen Gerüsten mit Leuchtstäben begrenzt. Die so entstandene Röhre stellt die Menschen aus, lässt an ein zu großes Kirchenschiff denken oder an eine U-Bahn-Station, die zum Schutzraum geworden ist wie in der Ukraine. Oder an das Innere eines Zeppelins. Das würde passen, denn das Flugschiff lässt Karoline träumen, von einem besseren, einem anderen Leben.
Das aber kommt nicht.
Nicht für Karoline in Ödön von Horváths «Kasimir und Karoline», und auch nicht für Elisabeth in «Glaube Liebe Hoffnung», dem Horváth den Untertitel «Ein kleiner Totentanz» gab. Einer Idee des Autors selbst folgend verschmelzen Regisseurin Karin Henkel und ihre Dramaturgin Inga Schonlau, die zugleich Basels Co-Schauspielchefin ist, die beiden Stücke zu «Kasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod». Das Ergebnis: wie versprochen eine dreieinhalbstündige Abfolge der illusionslosen Traurigkeiten und Gemeinheiten, ein Totentanz eben. Und so startet alles mit dem Ende, der totalen Verzweiflung – und beginnt danach wieder von vorn.
Langsam geht ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Valeria Heintges
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