Staub und Geschichte
Gott schuf den Menschen aus einem Erdenkloß, berichtet die Bibel, und auch der Mensch hat danach nicht aufgehört, Ebenbilder zu schaffen, um sich seiner Geschichte zu versichern, meist in Form von Statuen oder Denkmälern. Der theatrale Parcours «Mount Average» von Julian Hetzel versteht diese Vorgänge als Zyklus von Schaffen und Vergehen und entwirft eine ebenso präzise wie verstörende Gedenk-Recyling-Maschine, die sich dem Zuschauer Schritt für Schritt offenbart.
Alles beginnt bei einer Art Golem (Pitcho Womba Konga).
Lehmverschmiert begrüßt er die Besucher und fragt die kleinen Fragen des Lebens ab: Sinn, Zukunft und dergleichen mehr. Dabei wischen seine Finger über eine Tischplatte, auf der er aus einer Tonmasse immer wieder Anschauungsmaterial modelliert und wieder zerstört, bis es zur nächsten Station geht. Hier dürfen die Besucher selbst aktiv werden und aus einem Tonstück ein Traumbild formen, das sie aber nicht sehen, sondern nur durch zwei Löcher ertasten können, durch die Arme gesteckt werden. Über die Kopfhörer säuselt eine Stimme beruhigende, meditative Anweisungen. Betreutes Töpfern für den Weltfrieden.
Im nächsten Raum wartet dann eine Büste, die von unten mit ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Torben Ibs
BADEN-BADEN, STAATLICHE KUNSTHALLE
bis 16.10., Nature and State
Unterschiedliche künstlerische Positionen geben Impulse für das Nachdenken über das Verhältnis von Staat und Natur. Performance- und Begleitprogramm im Oktober:
1., Fotzenschleimpower gegen Raubtierkapitalismus
Performance von Mateja Meded
7./8., Hjîrok
Performance von Hani Mojtahedy und Andi...
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
28. Seethaler, Der Trafikant
R. Christoph Biermeier
AALEN, THEATER DER STADT
8. Cooney, Außer Kontrolle
R. Tonio Kleinknecht
ALTENBURG/GERA, TPT
2. Haidle, Alles muss glänzen
R. Matthias Thieme
2. King, Foxfinder
R. Louis Villinger
21. Ibsen, Stützen der Gesellschaft
R. Alexander Flache
31. Sommerfeldt, Das perfekteste Tier des...
Ein Winterabend im Jahr 2000. Lange nachdem in der Dantestraße im TFM-Institut (Theater-, Film- und Medienwissenschaft) der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität die letzten Mitarbeiter:innen nach Hause gegangen waren, leuchtete plötzlich ein Fenster hell auf. Wenn man genau hinsah, konnte man erkennen, wie sich Menschen aus dem Dunkeln herausschälten, die...
