Robotergötter
Die Singularität ist schon lange der richtig heiße Scheiß im dystopischen Science-Fiction und sämtlichen Diskussionen um Artifical Intelligence. Sie bezeichnet den Moment, in dem die Algorithmen ein eigenes Bewusstsein entwickeln und sich vom Menschen emanzipieren. Für den Menschen ist das meist eher schlecht, wie etwa die «Terminator»-Reihe oder «Matrix» gezeigt haben.
Auch in Dresden fand man die Frage nach dem neuen Zusammenleben von Mensch und Maschine interessant und wählte das knallbunte Krimi-Musical «Android Ergo Sum» – frei nach dem berühmten Ausspruchs Descartes –, um sie zu verhandeln. Geschrieben hat es das künstlerische Trio Dlé, bestehend aus Malcolm Kemp, Tim Knapper und Florian Hertweck, der auch gleich die Regie und einen der spielerischen Parts übernommen hat, allerdings zur Premiere am Kleinen Haus coronabedingt durch David Kosel ersetzt wurde.
Es ist das Jahr 45 nach der Singularität: Androiden und Mikro-Bots verehren die Menschen, die ihnen das «Leben» geschenkt haben, wie Götter. Arbeit ist quasi abgeschafft, Heerscharen von Bots jeder Größe kümmern sich um die Minimierung menschlichen Risikos, koordiniert von dem Über-Bot-Netz MADI (steht für «Multiple ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
BADEN-BADEN, STAATLICHE KUNSTHALLE
bis 16.10., Nature and State
Unterschiedliche künstlerische Positionen geben Impulse für das Nachdenken über das Verhältnis von Staat und Natur. Performance- und Begleitprogramm im Oktober:
1., Fotzenschleimpower gegen Raubtierkapitalismus
Performance von Mateja Meded
7./8., Hjîrok
Performance von Hani Mojtahedy und Andi...
Er ging meist auf weichen Sohlen, erinnerte, auch mit seinen listig klugen Augen, an eine weise, leise Katze. Aber Katzen sind zugleich Raubtiere. Dieser sanft wirkende, eher kleinwüchsige Mann, der, als er schon weltberühmt war, am liebsten in Jeans oder legeren Leinenhosen und mit offenem Hemd erschien, er brauchte keinen Auftritt, um einfach da zu sein. Und war...
Am 20. August 1991 wartete ich in einer Stadt in den Abruzzen auf Kurt Hübner. Er war in einen Kiosk gegangen, und ich sehe ihn noch heute, wie er zurückkam, mir die deutsche Zeitung hinhielt und die Hände über dem Kopf zusammenschlug: «Putsch in der Sowjetunion – Ausnahmezustand – Präsident Gorbatschow unter Hausarrest.»
Mit Hübner sollte ich an diesem Tag ein...
