Staub, du bist so schön!
Das Adjektiv «entschieden» ist fast eine Untertreibung dessen, was man aktuell am Hessischen Staatstheater wagt: Man setzt das Publikum nicht einfach nur einer über einstündigen, nonverbalen Darstellung aus, sondern zeigt das Ganze auch noch konsequent in Slow Motion. Marie Schleefs Uraufführung von «ER PUTZT», Valeria Gordeevs Gewinner-Text beim Ingeborg Bachmann-Preis 2023, zwingt alle, die die mediale Dauerbeschallung um die Konzentration bringt, zur schonungslosen Entschleunigung.
Zur Belohnung gibts ein phänomenales Bühnenereignis!
Es geht ganz dem Titel gemäß um Reinigungsarbeiten. Im Zentrum steht Konstantin, der zum einen akribisch die Wohnung der Mutter in Schuss hält, indem er eine Nulltoleranz-Politik gegenüber jedem Flecken fährt. Zum anderen kümmert er sich um seine kleine Schwester, einer leidenschaftlichen Fernseh-Zuschauerin. Dass dieser Text weniger durch einen wendungsreichen Plot, als durch feinste Sprach- und Beschreibungskunst besticht, hat den Ausschlag für das Votum der Klagenfurter Jury gegeben – und stellt natürlich das Theater vor eine hehre Herausforderung.
Die Regie übersetzt dieses literarische Stimmungsprogramm mithilfe der sogenannten ASMR, einer ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Björn Hayer
Es ist das Ende, auf das man hier hinfiebert. Schiller hatte für «Die Verschwörung des Fiesco zu Genua» gleich drei in petto: In dem einen wird der Volkstribun und Verschwörer zum Republikaner, in den beiden anderen bringen die Republikaner den Möchtegern-Fürsten um die Ecke, entweder ertränkt vom Gewicht des Hermelin oder schnöde durch den Dolch. Oh Brutus....
Englisch» – wenn er über Stücke und Aufführungen sprach, kannte Jürgen Bosse kein höheres Prädikat. Und meinte damit schnörkelloses Schauspielertheater, direkte Töne, klaren Gegenwartsbezug. Sein unprätentiöses Ideal verfolgte er als langjähriger Schauspieldirektor und Intendant in Mannheim, Stuttgart, Essen, der auch an der Wiener Burg und am Schauspielhaus Zürich...
Da stehen diese sieben Vibrationsplatten. Schwarze, knöchelhohe Geräte, deren Oberfläche per Knopfdruck auf der Fernbedienung anfängt zu wackeln. Zu Beginn gibt es Wackelpudding bei Familie Wingfield – und das rote Glibberzeug steht also auf dieser Platte und zuckt ekstatisch hin und her. Ein netter Gag, könnte man denken. Aber was sich Regisseurin Jaz...
