Sprache ist Macht

«Othello» mit Hollywood-Stars in New York: David Oyelowo und Daniel Craig

Theater heute - Logo

Das ist schon beeindruckend, wenn einem James Bond aus knapp zwei Meter Entfernung in die Augen sieht und persönlich sagt, was er als nächstes mit Othello vorhat.

Der kleine New-York-Theater-Workshop im East Village ist in eine Holzschachtel aus Spanplatten mit Zuschauerbänken auf drei Seiten verwandelt worden. Auf dem Boden liegen Matratzen.

«Othello» in der Regie von Sam Gold und mit der Star Besetzung David Oyelowo (Othello) und Daniel Craig (Jago) spielt in einem amerikani­schen Militärcamp, in einer heutigen testosterongeladenen Männer- und Kriegs-Umgebung.

Wenn das Stück beginnt, ist es absolut dunkel. Nur die Handys der Soldaten geben etwas Licht. Auch Desdemonas Bett ist eine der Matratzen im Männer-Schlafcontainer, zum Schluss die einzige. In der Welt aus Macht, Ehrgeiz und Intrigen, gelenkt vom Manipulator Jago, ist Othello neben Desdemona (Rachel Brosnahan) der einzig Liebende, was sein Verhängnis wird. Craig spielt Jago als Street Kid in kurzen Hosen und Baseballmütze; ein Junge, der sich raufarbeitet und das Recht in Anspruch nimmt, skrupellos jeden zu betrügen. Sein argloser Jungsblick, der so scheinbar offen die Zuschauer verführt, schafft ihm Vertrauen auch bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Stefanie Carp

Weitere Beiträge
München: Mythen sprengen

Noch vor dem geschlossenen Vorhang, hell ist er mit dunkler Rückseite, kniet sie vorn an der Rampe und knallt mit regelmäßig dumpfen Schlägen die Stirn auf den Boden. Antigone, dramatisches Urbild alles Widerständigen gegen die Staats­gewalt, hat aus heutiger Sicht durchaus Potenzial zu einer Kamikaze-Fundamentalistin – besessen von der Vorstellung, Recht zu haben,...

Der Weg ins Dunkel und der Weg ins Licht

Monotones, dumpfes Wummern, schier endloses, auf- und abschwellendes Gebrumm, bevor der Vorhang sich öffnet, soll die Zuschauer schon vorab in die Verzweiflung treiben, die in Iwanows Kopf dröhnt. Dann auf der Bühne, ein Zimmerfragment: Stuhl, Tisch, Heizkörper (wir sind im kalten Russland), Neonlicht. Ein Mann bewegungslos im knöchellangen schwarzen Wintermantel...

Karlsruhe: Fröhlichen Todestag!

Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.

Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung...