Das postfaktische Ich

Die Selbst-Inszenierung und ihr körperlicher Rest im digitalen Zeitalter

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Eine «Mischung aus Predigt, Darkroom, operativem Rollenspiel und Unterricht», so verspricht uns der Performer Sebastian Bark, werden wir an diesem Abend serviert bekommen. «50 Grades of Shame», eine Show des Performer-Kollektivs She She Pop in 14 Lektionen über den Sex oder genauer über das, was darunter jede und jeder so versteht, ist ein Sampling in jeder Hinsicht: Auf der Bühne stehen die Mitglieder der Truppe, verstärkt durch Künstler aus der Berliner Szene und einen Musiker.

Sie alle wollen an diesem Abend mit dem Material der Scham arbeiten, das sie im Lauf ihres Lebens angehäuft haben, und uns dabei in einer von Ferne an Brechts Lehrstücke erinnernden Bühnendramaturgie «14 Lektionen» zu Themen wie dem «Ursprung der Scham», den «männlichen Regungen», dem «Geheimnis der Heterosexualität», «Was ist erlaubt?», aber auch zum «Sterben» erteilen. Sie zitieren Wedekinds «Frühlings Erwachen», E.L. James’ «Fifty Shades of Grey» und später auch Foucault. Sie ziehen sich dabei aus. Sie werden gefilmt. Sie reden vom Sex. Sie reden von sich. Das ist manchmal rührend, selten peinlich, meistens aber vor allem eines: sehr komisch. Was erstaunlich ist, und vielleicht bedenklich.

Denn wer ...

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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Essay, Seite 32
von Nikolaus Müller-Schöll

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