Basel: Männer ins Museum!
Vergessen Sie den Kampf der Geschlechter. Hat ja lange gedauert, hat Kraft genug gekostet. Erst diese ganze Body-Aufrüstung im Kraftraum, am Schminktisch. Dann der Cyberwar auf Tinder, die Real-Life-Rückschläge. Dazu diese missverständlichen Verbalscharmützel beim ersten Rendez-vous, das Risiko des technischen Versagens an der Bettkante, allfälliges Tappen in die Beziehungsfalle und urplötzlich die Meldung: Mission failed, Schwangerschaftstest positiv. Schon droht Familie, und das bedeutet: offener Ehekrieg. So war das früher, also heute.
Doch jetzt überbringt Sibylle Berg dem Theaterpublikum gute Nachrichten aus der Zukunft. Das Zweigeschlechterzeitalter gilt als überwunden, es war halt doch kein evolutionärer Endzustand. Kinder, also Töchter, kommen aus dem Kühlschrank. Für weibliche Instant-Orgasmen gibt es einen dienstbaren Avatar, der lässt sich nebenher konsumieren, etwa so wie schöne Musik. Lysistrata und ihre Mitstreiterinnen, die einst bei Aristophanes der Kriegssucht der Athener und Spartaner mit einer Sexblockade ein Ende setzten, wären stolz auf diese Lösung.
Vom Mann sind in Sibylle Bergs Sci-Fi-Lustspiel «In den Gärten oder Lysistrata 2» nurmehr Museumsstücke übrig, ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Stephan Reuter
Zu Beginn eine Szene, die an die US-Serie «True Detective» erinnert: Taschenlampen erhellen den dunklen Bühnenraum, geben den Blick frei auf eine unheimlich drapierte Frauenleiche. Eindeutig ein Ritualmord: ausgeweidet wie ein Tier, mit einem Hirschgeweih auf dem Kopf und Runenzeichen am nackten Körper. «Fesseln, Stiche, Folter, nirgends Blut», stellen die beiden...
Smart sieht er aus, dieser Iwanow, der jetzt Nikolas «Nicki» Hoffmann heißt: Wie er so traurig in den Himmel guckt, dabei von der Videokamera eingefangen und an die Rückwand der Bühne gezoomt wird, während die melancholische Songwriterstimme von Bill Callahan erklingt, der eine traurige Ballade von Dunkelheit und sterbenden Schatten singt. Ein bisschen wie im Film...
Man sitzt auf rotem Samt im Cuvilliéstheater, feinstes Rokoko aus dem 18. Jahrhundert, vorrevolutionär versteht sich, als Fürsten die Kunst gern noch zum Spiegel ihrer Herrlichkeit erklärten. Auf der Bühne vorn an der Rampe aufgereiht vier rote Polsterstühle wie in den Logen, dahinter schwebt eine dunkle Wand, mindestens fünf mal fünf Meter, aus...
