Spielen wie die Jungs
Zum Schluss winkt Medea mit ihrer neuen Familie ins Publikum, nicht triumphierend, sondern – so scheint es zumindest – ganz einfach glücklich. Mit Aigeus, dem König von Athen, hat sie zwei Töchter, ungefähr so alt wie die beiden Söhne, die sie eine Szene vorher sanft und sachlich erstochen hat. Ihr ist gelungen, was auch ihr Ex Jason vorhatte, ein neues Leben anzufangen und das alte ohne Reue hinter sich zu lassen. Was Männer können, kann auch eine Frau. In dieser Gleichberechtigung liegt allerdings noch kein Grund zur Beruhigung.
Karin Henkel sucht in ihrer Euripides-Inszenierung am Münchner Residenztheater nach einem neuen Weg, die alte Geschichte von der rasenden Entrechteten zu erzählen, die sich von ihrer unbezähmbaren Liebe zu Untaten wider die Familienräson hinreißen lässt. Fraglich ist nur, ob sich mit solcher Manipulation des Mythos tatsächlich so etwas wie feministisches Empowerment betreiben lässt, oder ob hier nicht von alters her und unverrückbar ein Fall von toxisch-patriarchaler Propaganda vorliegt. Denn Mythen sind niemals neutral, sie operieren politisch, wollen rechtfertigen und untermauern oder wankende Ordnungen neu etablieren.
«Das endlose Lied von der ...
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Die Universität Gent hat im März Milo Rau, dem Leiter des NT Gent, die Ehrendoktorwürde verliehen. Universitätsrektor Rik Van de Walle erinnert sich bei dem Festakt noch genau, wie beeindruckt er im September 2018 war, als er Raus «Die Wiederholung» sah: «Ab diesem Moment war mir klar, dass wir Milo eines Tages ein Ehrendoktorat verleihen würden.» Die Universität...
Kennengelernt habe ich Volker Spengler vor 45 Jahren, Mitte der 70er Jahre in Frankfurt, und es war erst mal furchtbar. Wir trafen uns zufällig in einer Kneipe am Eschenheimer Tor, wo uns ein alter Freund, der Bühnenbildner Peter Schlösser, bekanntmachte. Volker hielt mich für schwul, wie er vermutlich alle männlichen Wesen für schwul hielt. Seine...
Es klopft, hämmert, dröhnt am Eisernen. Will da wer raus? Oder rein? Als der enorme Vorhang in die Höhe fährt, gibt er den Blick frei auf eine wüste Leere, durch die leiser Nebel wabert, auf einen gewaltigen Metallkubus, an dessen Wänden der Rost hinabtrieft (Bühne: Julia Kurzweg). Ein Unort, fürwahr, ein Unterschlupf oder vielleicht ein Gefängnis. Darin hausen, so...
