Frankfurt: Bitten um ein Ende

Aischylos «Die Orestie», Heiner Müller «Quartett»

Es klopft, hämmert, dröhnt am Eisernen. Will da wer raus? Oder rein? Als der enorme Vorhang in die Höhe fährt, gibt er den Blick frei auf eine wüste Leere, durch die leiser Nebel wabert, auf einen gewaltigen Metallkubus, an dessen Wänden der Rost hinabtrieft (Bühne: Julia Kurzweg). Ein Unort, fürwahr, ein Unterschlupf oder vielleicht ein Gefängnis. Darin hausen, so sieht es Regisseur Jan-Christoph Gockel, die Gefangenen der Geschichte. Und sie erbitten Ausgang: «Ich bitte um eine Änderung.

Ich bitte um ein Ende dieser Geschichte», wird Christoph Pütthoffs Bote an diesem Abend eindringlich wiederholen: Er fordert eine Apokalypse im Wortsinn, eine Enthüllung und Entschleierung, die den Blick freigeben könnte auf das Tatsächliche.

Als doppeldeutig-apokalyptisches Szenario, als Endzeit- und Enthüllungsspiel also legt Regisseur Jan-Christoph Gockel seine «Orestie» von Aischylos am Schauspiel Frankfurt an. Gockel, seit der Spielzeit 2014/15 Hausregisseur am benachbarten Staatstheater Mainz, bringt oft Rechercheprojekte zu politischen Themen auf die Bühne. Am Schauspiel Frankfurt stellte er sich erstmals 2017 vor, mit einer ebenso verspielten wie beklemmenden «Verwandlung» nach Franz ...

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Theater heute April 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Esther Boldt