Spiele mit der Wirklichkeit
Vorsicht, wenn sich plötzlich ein dicker fetter Kater in Ihre freundlich verschlampte Wohngemeinschaft einschleicht, möglicherweise in Begleitung von einem netten Herrchen, der angeblich der große Bruder von irgendeinem der Mitbewohner sein will.
Wer hat schon den Überblick über die Familienverhältnisse einer WG? Trotzdem Vorsicht, es könnte nämlich sein, dass es sich dabei um einen ganz hinterhältigen Überwachungsangriff handelt, der damit endet, dass Sie bei einem der nächsten Auslandsflüge am Flughafen von freundlichen Herren in ein Nebenzimmer geführt und nach allen Regeln der Terrorismusbekämpfung zusammengeschlagen werden. Die Grundannahmen von Felicia Zellers neuem Stück kümmern sich wenig um Alltagswahrscheinlichkeit. Aber was heißt Alltagswahrscheinlichkeit in einem Alltag, in dem zunehmend alles möglich wird?
Wer dennoch den Überblick behalten möchte, sollte unbedingt die «Allgemeinen Geschäftsbedingungen» in elf Punkten studieren, die Zeller «Ich, sein großer analoger Bruder, sein verfickter Kater und du» vorangestellt hat. Dabei handelt es sich in einigen Paragrafen um den üblichen haftungsbefreienden Knebelvertrag, der in diesem Fall einen neuen ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
Vater, Mutter, Tochter, Sohn sitzen zu Tisch. Heute gibt es Friede, Freude, Eierkuchen. Eigentlich gibt es immer Friede, Freude, Eierkuchen, wenn sich die Musterfamilie aus der Komödie des jungen Ostschweizers Philippe Heule am Theater Basel vereint. Papa lobt Mamas Küche, Maxi lobt Mamas Figur, Moni ihr neues Parfüm (also ihr eigenes, nicht Mamas), und alle...
Als Intro zu Oliver Frljics «Requiem für Europa» tritt der Schauspieler Sebastian Pass in einer Art Horrorclownkostüm an die Rampe des Staatsschauspiels Dresden. Er sei neu im Ensemble und habe «ein Gastgeschenk» mitgebracht, säuselt er mit einem Suggestiv-Tremolo ins Parkett, als hätte er den Job des Sandmannes übernommen. Es handele sich um einen Wunsch....
Werner Fritsch ist der Theatermann fürs grob Verworrene, für die verschmitzte Provokation, die hirnschwurbelnde Sprachakrobatik und überhaupt für Abende, an denen man am Ende nicht mehr so recht weiß, ob man jetzt gut unterhalten oder doch auf hohem Niveau verarscht wurde. Es kann auch durchaus beides zutreffen, und am Ende von «Shakespeares Schädel in Fausts...
