Spiele mit der Wirklichkeit
Vorsicht, wenn sich plötzlich ein dicker fetter Kater in Ihre freundlich verschlampte Wohngemeinschaft einschleicht, möglicherweise in Begleitung von einem netten Herrchen, der angeblich der große Bruder von irgendeinem der Mitbewohner sein will.
Wer hat schon den Überblick über die Familienverhältnisse einer WG? Trotzdem Vorsicht, es könnte nämlich sein, dass es sich dabei um einen ganz hinterhältigen Überwachungsangriff handelt, der damit endet, dass Sie bei einem der nächsten Auslandsflüge am Flughafen von freundlichen Herren in ein Nebenzimmer geführt und nach allen Regeln der Terrorismusbekämpfung zusammengeschlagen werden. Die Grundannahmen von Felicia Zellers neuem Stück kümmern sich wenig um Alltagswahrscheinlichkeit. Aber was heißt Alltagswahrscheinlichkeit in einem Alltag, in dem zunehmend alles möglich wird?
Wer dennoch den Überblick behalten möchte, sollte unbedingt die «Allgemeinen Geschäftsbedingungen» in elf Punkten studieren, die Zeller «Ich, sein großer analoger Bruder, sein verfickter Kater und du» vorangestellt hat. Dabei handelt es sich in einigen Paragrafen um den üblichen haftungsbefreienden Knebelvertrag, der in diesem Fall einen neuen ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
Vom Tod ist erstaunlich häufig die Rede gewesen – aber das hat in den Braunschweiger Festival-Tagen keine tiefere lokale Bedeutung. Obwohl «Fast Forward» Abschied nimmt, das «europäische Festival für junge Regie» also nicht mehr im späten Herbst den Spielplan des örtlichen Staatstheaters beleben und bereichern wird – aber es stirbt ja nicht. Sondern zieht nur...
Zwischendurch reicht es einem der Schauspieler. Er tritt aus dem Licht heraus nach vorne an die Rampe. «Jetzt stehe ich hier in einem weißen Hochzeitskleid und spreche über den IS», sagt er. Nach Monaten des Suchens nach theatralen Umsetzungen, sei man jetzt bei dieser Idee angekommen. Und: «Ich war gleich dagegen.» Die zwanghafte Suche nach theatralen...
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos...
