Freies Theater: 25 Kilometer Billy-Regal
Die gute Nachricht zuerst: Es ist noch nicht zu spät. Verloren gegangen ist bisher erst wenig, und die Initiative zu einem «Archiv des Freien Theaters», die auf der Konzeptionskonferenz letzten Oktober im Münchner Literaturhaus präsentiert wurde, kommt damit zur richtigen Zeit, in der viele, die in den 1960er und 1970er Jahren begonnen haben, außerhalb der dafür vorgesehenen Orte und Institutionen Theater zu machen, altersbedingt darüber nachdenken, wie künftig mit den Relikten ihres Schaffens in Film, Bild, Ton und Schrift verfahren werden soll.
Aus denen kann sich zwar nie das Vergangene eins zu eins rekonstruieren lassen, betont Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers in seiner Begrüßungsrede, als dynamisches Instrument könne ein Archiv jedoch dazu beitragen, Inhalte und Ereignisse verfügbar zu halten und gemeinsam mit den Akteuren in neuer Form wieder aufleben zu lassen. «Performing the Archive!» ist daher Titel und Auftrag des Unternehmens, was mitschwingen lässt, dass es hier nicht um sture Katalogisierung verstreuter Materialien, sondern im Idealfall um die Vision des Archivs als Kunstform gehen soll.
Eine eigenständige Säule
Ein bisschen schwindelig ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Silvia Stammen
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos...
Vater, Mutter, Tochter, Sohn sitzen zu Tisch. Heute gibt es Friede, Freude, Eierkuchen. Eigentlich gibt es immer Friede, Freude, Eierkuchen, wenn sich die Musterfamilie aus der Komödie des jungen Ostschweizers Philippe Heule am Theater Basel vereint. Papa lobt Mamas Küche, Maxi lobt Mamas Figur, Moni ihr neues Parfüm (also ihr eigenes, nicht Mamas), und alle...
In Greifswald passiert was, so ist zu vernehmen. Ein neuer Oberspielleiter hält mit dieser Spielzeit das Ruder, Reinhard Göber, einst in Lübeck aktiv. «Faust. Ein Fragment» legt er zum Auftakt vor, einen knackigen Achtzigminüter. Die Lokalpresse applaudiert. Zuletzt war sie eher mit Krisenmeldungen befasst. Das Leitungsteam des Theaters Vorpommern um Intendant...
