Spiel und Sein
Ein Schauspieler spielt einen Schauspieler spielt einen Schauspieler. Darin steckt notwendigerweise – und mehr noch als sonst – die Reflexion über den eigenen Beruf: die Rolle als Identität, das Authentische als virtuoses Konstrukt oder umgekehrt, und immer spielt das doppelte Gesehen-werden-Wollen mit – bis man fast nicht mehr sieht, wo die Übergänge liegen.
Bei Thomas Schmauser als Klaus Manns «Mephisto» in der Romanadaption von Jette Steckel an den Münchner Kammerspielen liegen sie in einer sehr feinen Mischung von fiebriger Spiellust und hellwacher Selbstbeobachtung, so als stünde er leicht neben sich, um der Figur beim moralischen Lavieren über die Schulter zu schauen – und sie dabei trotzdem ernst zu nehmen.
Das war nicht immer so: In manchen Inszenierungen, vor allem von Johan Simons, gibt es diesen Zwiespalt nicht, da wollte Schmauser ganz ungeteilt da sein, wie 2012 in «Gesäubert/Gier/4.48 Psychose» von Sarah Kane oder zwei Jahre später in Heinar Kipphardts «März». Leuchtende Momente voller Intensität, Musikalität, unmittelbarer Lebendigkeit sind so entstanden, unvergesslich präsent bis heute.
Doch die Zeiten sind finsterer geworden und müssen mitgedacht werden. Steckels ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 16
von Silvia Stammen
Wie ich mich bei Laune halte? Das Lachen vergeht einem angesichts der weltpolitischen Lage, aber auch der kleinen Themen, die oft noch näher sind. Und doch: Es gibt Momente, in denen es immer wieder gelingt – dieses merkwürdige, fragile Konstrukt namens «gute Laune» wenigstens für kurze Zeit aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel beim Lachen. Oder beim Schwimmen.
Beides...
ORPHEAI heißt die KI, die uns beobachtet, die uns liest, mitliest, uns analysiert und auswertet, die alles speichert, alle Daten und mehr und mehr Daten über uns – ein gefräßiges Monster, dass immer größer wird, das mit allen Daten, die es frisst, weiter wächst. Sie, die immer schon da ist, wo wir hinkommen, zu Hause, im Zug oder bei der Arbeit: «… das hier das dir...
Eines muss Julia Riedler gleich zu Beginn klarstellen: «Wir haben das gar nicht überschrieben!», protestiert sie. «Null. Nur die letzten zwei Seiten sind neu geschrieben. Sonst ist alles Schnitzler.»
In München, wo die Schauspielerin nach ihrer Kündi -gung an den Kammerspielen 2020 nie ganz weggezogen ist, treffen wir uns, um über «Fräulein Else» zu reden. Das Solo...
