Glitches im Ich

Für die Schauspielerin des Jahres Julia Riedler ist ihre und Leonie Böhms Schnitzler-Adaption «Fräulein Else» auch eine ganz persönliche Angelegenheit – und ein Experiment mit dem Publikum

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Eines muss Julia Riedler gleich zu Beginn klarstellen: «Wir haben das gar nicht überschrieben!», protestiert sie. «Null. Nur die letzten zwei Seiten sind neu geschrieben. Sonst ist alles Schnitzler.»

In München, wo die Schauspielerin nach ihrer Kündi -gung an den Kammerspielen 2020 nie ganz weggezogen ist, treffen wir uns, um über «Fräulein Else» zu reden. Das Solo nach – oder eben: von – Arthur Schnitzler hatte im Februar 2025 am Volkstheater Wien Premiere und bescherte dem Haus einen seiner größten Hits.

Dass das Missverständnis die Originaltreue des Abends betreffend überhaupt aufkommen konnte, legt schon eine heiße Spur dahin, was ihn so besonders macht: das Zusammentreffen zweier Frauen mit sehr unterschiedlichen Zugängen zu Originalität. «Fräulein Else» markiert die fünfte Kollaboration zwischen Julia Riedler und der Regisseurin Leonie Böhm. Deren Handschrift zeichnet sich durch ein Faible für Improvisation und eine Suche nach Emanzipationsprozessen der Figuren aus – Emanzipation durchaus auch von der Vorlage und ihrem Autor. «Es ist immer ein Arbeiten, das den Text sehr ernst nimmt», beschreibt es Riedler, «aber nicht unbedingt in seiner narrativen Dramaturgie oder seinen ...

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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 8
von Martin Thomas Pesl

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