Spiel mit tausend Masken
Lies Pauwels Stück über Sexarbeit «Love Boulevard» beginnt vielversprechend. Nach kurzer Einstimmung auf einen Abend, der weder «der Unterhaltung» noch «dem Trost» dienen soll (warum eigentlich nicht?), betritt Josefin Platt im roten Abendkleid die Seitenbühne des BE und hält einen Monolog über das Älterwerden mit einem Satz, der so schön ist, dass man ihn sich am liebsten tätowieren würde: «Ich glaube, ich liege unter lauten verliebten Blumen.
» Doch alles, was folgt, fällt dahinter zurück, was auch daran liegen mag, dass man sich bei der Zusammenarbeit von Schauspielerinnen und Sexarbeiter:innen, wie sie die belgische Regisseurin initiiert hat, mehr wahrhaftige Einblicke in eine Branche erhofft hat, die ja trotz aller Enttabuisierungsversuche immer noch schwer zu greifen ist. Doch stattdessen erlebt man in der zweistündigen Aufführung vor allem eine Aneinanderreihung hübsch bebilderter Klischees.
Der erzählerische Rahmen ist eine niedrigschwellige Nummernrevue, die beim Betreten eines Bordells beginnt und beim sexuellen Höhepunkt endet. Das Bühnenbild besteht aus einer Tribüne, einer Gogo-Stange und Stand -mikros. Die sieben Performer:innen geben die Dienstleisterinnen, das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Anna Fastabend
Das schwindelerregende Verhältnis von Kunst und Terror hat schon vor gut zwanzig Jahren die Volksbühne auf einem sehr dünnen Seil tanzen lassen. Im Nachgang von 9/11 griff Dramaturg Carl Hegemann das Diktum des Komponisten Karlheinz Stockhausen auf, der den Al-Qaida-Angriff als «größtes Kunstwerk aller Zeiten» gepriesen hatte, dachte gemeinsam mit dem...
Dracula ist der wohl berühmteste Vampir der Mediengeschichte: ein Monster aus der Walachei oder Transsylvanien. Der Urvater aller Vampire verbreitet Angst und Schrecken, hat spitze Zähne und einen langen schwarzen Umhang. Vielleicht ist er auch ein bisschen geheimnisvoll und sexy? Vor allem aber unheimlich!
In Johanna Wehners Frankfurter Inszenierung geht es...
Ich wünschte, Metin, man könnte Erinnerungen einfangen. Wie Insekten, die ein Eigenleben haben, einen eingebauten Instinkt, der sie leitet.» Arda, Protagonist von «Vatermal» und lebensbedrohlich erkrankter Literaturstudent, hat im Krankenhaus plötzlich Zeit und Druck, sich zu erinnern. Auch Mutter Ümran und Schwester Aylin, die sich am Krankenbett sorgfältig...
