Wo die Körper übernehmen

René Pollesch feiert «Fantômas» an der Volksbühne, das Maxim Gorki Theater huldigt ukrainischen Müttern und Töchtern mit Sebastian Nüblings Inszenierung von Sasha Marianna Salzmanns «Im Menschen muss alles herrlich sein» und Marta Gornickas «Mothers – A Song for Wartime»

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Das schwindelerregende Verhältnis von Kunst und Terror hat schon vor gut zwanzig Jahren die Volksbühne auf einem sehr dünnen Seil tanzen lassen. Im Nachgang von 9/11 griff Dramaturg Carl Hegemann das Diktum des Komponisten Karlheinz Stockhausen auf, der den Al-Qaida-Angriff als «größtes Kunstwerk aller Zeiten» gepriesen hatte, dachte gemeinsam mit dem exilrussischen Philosophen Boris Groys über «Terror als Beruf» nach, während Christoph Schlingensief in Performances wie «Atta Atta» die Parallele von Künstler und Terrorist zum Glück nur ästhetischen Belastungsproben unterzog.

Gemeinsamer Nenner beider scheinbar gegensätzlicher Figuren: die Opposition zur (bürgerlichen) Mehrheitsgesellschaft, falls es eine solche überhaupt noch gibt. Oder, wie es in René Polleschs «Fantômas» immer wieder emphatisch heißt: «Dieses gegen all das gelebte Leben!»

Auch der genialische Verbrecher Fantô-mas, den die französischen Autoren Pierre Souvestre und Marcel Allain zwischen 1911 und 1913 zum frühpopkulturellen Helden von insgesamt 32 Romanen machten (und dabei quasi-industrielle Produktionsmethoden erprobten), lässt sich als eine Figur lesen, in der sich Kreativität und asoziale Grausamkeit ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Eva Behrendt

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