Die Erfindung des Bösen
Dracula ist der wohl berühmteste Vampir der Mediengeschichte: ein Monster aus der Walachei oder Transsylvanien. Der Urvater aller Vampire verbreitet Angst und Schrecken, hat spitze Zähne und einen langen schwarzen Umhang. Vielleicht ist er auch ein bisschen geheimnisvoll und sexy? Vor allem aber unheimlich!
In Johanna Wehners Frankfurter Inszenierung geht es weniger um die Figur Dracula als um die Geschichten, die über ihn erzählt werden, und um die Menschen, die sie so leichtfertig glauben. Ihre Inszenierung basiert auf der Romanvorlage von Bram Stoker aus dem späten 19.
Jahrhundert. Der Ire entwarf das ultimative Feindbild der bürgerlichen viktorianischen Gesellschaft zu einer Zeit, als das British Empire noch Kolonialmacht war. Diese Tatsache wird zwar weder in Wehners Inszenierung noch in der Romanvorlage thematisiert, dennoch lohnt es sich, Dracula – der in Wehners Lesart des Romans als der ultimative Fremde, als eine Bedrohung für die bürgerliche Gesellschaft dargestellt wird – auch unter diesem Aspekt zu betrachten. Die Erfindung des Fremden, des Bösen, ist nämlich eng mit der europäischen Kolonialgeschichte verknüpft und wirkt bis heute gesellschaftspolitisch in ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Yaël Koutouan
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Der 7. Oktober datiert zukünftig das größte Pogrom gegen Jüd:innen seit der Shoa – noch dazu in Israel, dem Land, das zum Schutz jüdischen Lebens gegründet wurde. Das Versagen von Regierung, Militär und Geheimdiensten potenziert die Retraumatisierung der Bevölkerung. Noch ist nicht abzusehen, wie tiefgreifend das Massaker und seine gewalt(tät)igen Folgen die Welt...
Alles halb so wild? Ist die deutsche Gesellschaft neuerdings gar nicht so gespalten wie oft behauptet? In der Nachkriegszeit noch als Zwiebel symbolisiert, mit dickem Mitte-Bauch und kleinen Enden oben und unten, ist seit den 1990er Jahren zunehmend von Polarisierung die Rede, von wachsenden Spaltungen unter sozialen und kulturellen Aspekten.
Steffen Mau und zwei...
