Spiel mit dem Lied vom Tod
Amerika eignet sich derzeit im Theater für die eigene Standortbestimmung besonders gut. Cowboyhüte und der Wilde Westen haben Hochkonjunktur auf deutschen Bühnen und taugen vorzüglich, um individuelle wie gesellschaftliche Befindlichkeiten kurz zusammenzufassen.
Auch Ralph Hammerthaler siedelt sein Auftragswerk, eine Koproduktion des Theaters an der Ruhr mit dem Forum Freies Theater, im Westerngenre an. Ausgehend vom Amoklauf des Schülers Robert S.
in Erfurt geht er allerdings einen entscheidenden Schritt weiter: Seine Geschichte vom Jungen Carlos, der seinen Lehrer erschießt, sich eine Zeitlang als Outlaw rumschlägt, am Ende aber doch gestellt wird, ist nämlich alles andere als ein Western. Doch die Western-Dramaturgie der Gegensätze ist wie eine groteske Kostümierung und lässt die Hilflosigkeit unserer Erklärungsmodelle umso stärker hervortreten. Die Verteilung der mit Computerspielen und Waffen sozialisierten Kids auf das typische Westernpersonal von Hilfssheriff, Gesetzlosem und Bardame zeigt stets auch ihr Nicht-Aufgehen in diesen klar definierten Rollen und Posen. Stark sind seine lakonischen, aber auch brutalen poetischen Bilder und Zustandsbeschreibungen in den Monologen, ...
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Die begehrteste und meistbeachtete Premiere der Wiener Herbstsaison ging weder im Burgtheater noch in der Staatsoper, sondern in einem 68 Plätze fassenden Kellerlokal namens Theater am Alsergrund über die Bühne: Anfang Dezember erlebte dort «Hader muss weg», das neue Soloprogramm des Wiener Kabarettstars Josef Hader, seine Uraufführung. Es handelte sich im Wortsinn...
Vier Tage vor der Premiere sprach der ehemals wilde Mann ein zu Herzen gehendes Wort zum Sonntag. Der «fünffache Papa» Frank Castorf, lange nach eigenem Bekunden im «Tagesspiegel»-Gespräch ein «Rabenvater», erwähnte sein «wachsendes Bedürfnis, sich zu verändern». Hat er etwa deshalb jetzt sein erstes Märchen inszeniert und gar nicht, um den Autor Hans Christian...
Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von...
