Sofa-Bilanz auf Eis
Da hat man es endlich geschafft, lebt erfolgreich bis an die Zähne in der exklusivsten Gated Community, einem Garten Eden der Zivilisation, wo sichere Lebensverhältnisse und die Annehmlichkeiten des westlichen Lebens geboten werden, und dann das: Falk Richter schreibt ein neues Stück, nennt es «Im Ausnahmezustand» und macht alles schlecht.
Eine Kleinfamilie – Mann, Frau, Junge – in zeitloser Ibsen-Schockstarre: Gefühlsleben nicht mehr tastbar, die Existenzburg bröckelt vor sich hin, die Lebenslügen können sich vor Gähnen kaum aufrecht halten.
Der Mann leidet an Burnout im letzten Stadium, schläft mit offenen Augen am Hightech-Arbeitsplatz und bringt von Monat zu Monat ein paar entscheidende Prozent weniger Leistung. Die Frau bibbert vor Verlustangst und Paranoia und konzentriert die noch vorhandenen Energien, den verfallenden Gatten lückenlos zu überwachen und zu letzten existenzerhaltenden Höchstleistungen anzutreiben. Der Junge hat längst jeden inneren Elternkontakt gekündigt und ist auf dem Absprung in die verlockende Welt jenseits der bewachten Tore. Ort der Handlung wie seit Menschengedenken ein gediegenes Wohnzimmer mit reichlich Alkohol.
Der Autor als Regisseur entwickelt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ab 1. Januar wird im deutschen Theater nichts mehr sein, wie es war. Die einschneidendste Maßnahme seit der Erfindung des Regietheaters bedroht viele Bühnen in ihrer Substanz: ein allgemeines Gaststätten-Rauchverbot wird die eigentlichen Denk- und Kommunikationszentralen der Häuser lähmen. Was soll der Künstler noch in der Kantine, wenn er dort keine Zigarette...
Wer Shakespeares «Sturm» als postkoloniales Märchen liest, hat leichtes Spiel. Ein paar Namensverschiebungen und kleine Zuspitzungen reichen, um aus dem entthronten Gelehrten Prospero Libero zu machen, einen selbstbewussten Staatsgründer und Kolonisator im Dienste des Humanismus. Der störrische «Erdkloß» Caliban wird mit einem anagrammatischen Dreher zum Indianer...
Wir sind nicht in Rom, wir sind nicht in Ägypten, wir sind auch nicht antik, nein, wir sind so jung, so reich, so cool, und wir sitzen in der «Sodom & Gomorrha Show». Genau genommen sitzen wir mit «Antonius und Cleopatra» im Theater Basel. Der Refrain der Pet Shop Boys stampft durch unsere Gehörgänge, und vorn an der Rampe reiht sie sich auf, Cleopatras...
