Sofa-Bilanz auf Eis
Da hat man es endlich geschafft, lebt erfolgreich bis an die Zähne in der exklusivsten Gated Community, einem Garten Eden der Zivilisation, wo sichere Lebensverhältnisse und die Annehmlichkeiten des westlichen Lebens geboten werden, und dann das: Falk Richter schreibt ein neues Stück, nennt es «Im Ausnahmezustand» und macht alles schlecht.
Eine Kleinfamilie – Mann, Frau, Junge – in zeitloser Ibsen-Schockstarre: Gefühlsleben nicht mehr tastbar, die Existenzburg bröckelt vor sich hin, die Lebenslügen können sich vor Gähnen kaum aufrecht halten.
Der Mann leidet an Burnout im letzten Stadium, schläft mit offenen Augen am Hightech-Arbeitsplatz und bringt von Monat zu Monat ein paar entscheidende Prozent weniger Leistung. Die Frau bibbert vor Verlustangst und Paranoia und konzentriert die noch vorhandenen Energien, den verfallenden Gatten lückenlos zu überwachen und zu letzten existenzerhaltenden Höchstleistungen anzutreiben. Der Junge hat längst jeden inneren Elternkontakt gekündigt und ist auf dem Absprung in die verlockende Welt jenseits der bewachten Tore. Ort der Handlung wie seit Menschengedenken ein gediegenes Wohnzimmer mit reichlich Alkohol.
Der Autor als Regisseur entwickelt ...
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Christian Stückl ist ein sehr intensiver Mensch, das merkt man schon an der Art, wie er raucht. Er zieht nicht nur an der Zigarette, er saugt daran, manchmal mit einem so zischenden Inhalationsgeräusch, dass man den Lungenzug hört. Ungefähr so muss man sich den bayerischen Lockenkopf auch als Theaterleiter und Regisseur vorstellen: gierig alles auf- und in sich...
Ein brisantes Zeitstück mit 40 Jahren auf dem Buckel schafft es normalerweise nicht mehr auf die Spielpläne, schließlich schreiben aktuelle Zeitmenschen ja genug dieser aufrüttelnden Werke neu. Aber Edward Bonds «Gerettet» taucht doch ab und zu mal auf wie ein seltener Pilz. Das Skandalstück von 1965 um gelangweilte Halbstarke aus proletarischen...
So hat man die Nibelungen noch nicht gesehen: Edel zwar und zart die Züge Giselhers, doch von ziemlich exotischem Adel. Omar el-Saeidi ist von ägyptischer Abstammung, 1980 in Gießen geboren. Bruder Gerenots dunkles Antlitz umrahmen schwarze Rasta-Locken. Patrick Gusset kam 1979 in Basel zur Welt, sieht aber eher nach Nordafrika aus. Und dann stürmt Siegfried auf...
