Bond ist nicht Beckett
Ein brisantes Zeitstück mit 40 Jahren auf dem Buckel schafft es normalerweise nicht mehr auf die Spielpläne, schließlich schreiben aktuelle Zeitmenschen ja genug dieser aufrüttelnden Werke neu. Aber Edward Bonds «Gerettet» taucht doch ab und zu mal auf wie ein seltener Pilz. Das Skandalstück von 1965 um gelangweilte Halbstarke aus proletarischen Familienverhältnissen, die schließlich ein Baby steinigen, scheint als Projektionsfläche für zeitgenössische Verrohung mit jeder neuen Jugendmode illustrierbar.
Außerdem gilt Kindsmord als zeitlos scheußliches Verbrechen und bringt Maddie-mäßig die höchste öffentliche Erregungsstufe. Schließlich aber ist Bonds abgehackte Zermürbungsprosa von Menschen, für die Frust die Krankheit und Aggression ihre Kur ist, mit einigen kleinen Aktualisierungen tatsächlich eine Art Gewalt-Esperanto.
Diese Aktualisierung braucht das Abbild aggressiver Verhaltensmechanik, das Bond hier schroff skizziert, allerdings dringend, um in der Medienrealität aus Gewalt-Metaphern und echter Brutalität noch Gehör verlangen zu dürfen. Im Umfeld von Folter-Filmen wie «Hostel» und Schulhof-Terror, Ausländerhatz durch ostdeutsche Städte und Demütigungs-Fernsehen mit ...
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