«So Bock auf live»
Alles beginnt damit, dass eine Frau vor ihrem Bildschirm sitzt und in ein Brötchen beißt. Der Moment irritiert. Haben die Organisator*innen des diesjährigen Performing Arts Festivals den Opening-Livestream versehentlich zu früh gestartet? Möglich wäre es, wenn man an die vielen Online-Pannen der vergangenen Monate denkt. Doch wir haben es hier mit Theater zu tun, wo jede noch so kleine Geste etwas über die Welt erzählt.
Und so merkt man schnell, dass dieser scheinbar private Moment in Wirklichkeit ein ironischer Kommentar darauf ist, welche Fallstricke es gibt, wenn man ein so großes Festival unter Pandemiebedingungen konzipiert.
Das wirkt ja tatsächlich wie eine fast unmögliche Aufgabe, wenn man bedenkt, wie schnell sich die coronabedingten Einschränkungen immer wieder verändert haben. Und wie eine Aufgabe, die vermutlich nur mit jeder Menge Nervennahrung zu überstehen war.
Deshalb ist es natürlich umso bemerkenswerter, dass die alljährliche Zusammenkunft von Berlins Freier Szene trotzdem mehr als hundert Performances, Theaterstücke, Tanzabende, Zirkusnummern, Filme, Audiowalks, Workshops und Talks in ihrem Programm stehen hat. Sie können in Form von Livestreams, Aufzeichnungen, ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Freie Szene, Seite 32
von Anna Fastabend
Ostdeutschland, Sorgenland. Vor jeder Landtagswahl geht das Bibbern los, dass die parlamentarischen Verhältnisse nicht zu weit nach rechts abrutschen. Mit jedem Wendejubiläum werden die Wunden hergezeigt: die Entvölkerung, die Rodung der einstigen Wirtschaft, das andauernde Gefühl, mit dem Mauerfall einen kolonialen Akt der Umwertung aller Werte und Strukturen...
Eigentlich könne man gar nicht mehr fragen, wie es einem gehe, in diesen Zeiten, meinte Raimund Hoghe. So begann im vergangenen Oktober meine Laudatio auf den Choreografen und Tänzer, als er mit dem Deutschen Tanzpreis geehrt wurde. Er spielte nicht auf seine persönliche Situation in Zeiten der Pandemie an, die ihm zunehmend zusetzte, sondern er bezog sich auf die...
Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der...
