Höchste Kolonialzeit
«Zurück ins kulturelle Leben» hieß es bereits Anfang April im Saarland. Als alle anderen Bundesländer noch im Lockdown brüteten, erprobte das von Ministerpräsident Tobias Hans regierte kleinste aller Bundesländer in Anbetracht niedriger Inzidenzzahlen einen Corona-Sonderweg: Unter strengen Sicherheitsmaßnahmen öffneten Außengastronomie und Fitnessstudios, Theater und Konzerte durften wieder live stattfinden.
Auch wenn bereits nach knapp drei Wochen aufgrund des Überschreitens der 100-Inzidenzmarke die Pforten wieder schließen mussten, beurteilen die Theaterschaffenden die Kurzzeitöffnung entschieden positiv.
«Unbedingt notwendig» sei die Öffnung gewesen, betont Horst Busch, Chefdramaturg am Saarländischen Staatstheater, denn das gesellschaftliche Wesen des Theaters bestehe nun mal im Erleben von Gemeinschaft, für das die Theaterstreams nur ein «magerer Ersatz» seien. Die Theaterbesucher*innen, für die das Staatstheater auf seinem Vorplatz sogar ein eigenes Testzentrum errichtet hatte, sahen es ebenso, entsprechend hoch war die Auslastung. Auch wenn einige große Produktionen nicht gespielt werden konnten, schoss das Staatstheater in der kurzen Zeit an verschiedenen Spielstätten ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Natalie Bloch
AUGSBURG, SENSEMBLE THEATER
2. Fo und Rame, Offene Zweierbeziehung
R. Jörg Schur
BAUTZEN, DEUTSCH-SORBISCHES VOLKSTHEATER
15. Gala 25 Jahre Theatersommer
R. Lutz Hillmann
BERLIN, MAXIM GORKI THEATER
30. Górnicka, Still Life
R. Marta Górnicka
BERLIN, SCHAUBÜHNE
1. Kleist, Michael Kohlhaas
R. Simon McBurney und Annabel Arden
BERLIN, VAGANTEN
1. Büchner, Leonce und...
Ostdeutschland, Sorgenland. Vor jeder Landtagswahl geht das Bibbern los, dass die parlamentarischen Verhältnisse nicht zu weit nach rechts abrutschen. Mit jedem Wendejubiläum werden die Wunden hergezeigt: die Entvölkerung, die Rodung der einstigen Wirtschaft, das andauernde Gefühl, mit dem Mauerfall einen kolonialen Akt der Umwertung aller Werte und Strukturen...
Giuseppe Verdi war erschüttert. «Vagner è morto», entfuhr es dem grande compositore, als er 1883 vom Tod seines deutschen Widerparts erfuhr. «Eine große Persönlichkeit ist von uns gegangen! Ein Name, der unauslöschliche Spuren in der Geschichte der Kunst hinterlässt.» Verdi ahnte, als er die Worte notierte, wohl kaum, wie tief diese Spuren sich ins Gedächtnis der...
