Die Bürokratie des Rassismus
«Strukturen aufbrechen, das geht nicht leise», sagt Mark Tumba. Und doch kommt Nuran David Calis’ Film «NSU 2.0» ruhig daher, ruhig und kontrolliert, mit verhaltenem Zorn. Darin rollt der Regisseur, gemeinsam mit den drei Schauspieler*innen Lotte Schubert, Mark Tumba und Torsten Flassig, die Geschichte des Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) auf und verknüpft diese sowohl mit dem Mord an Walter Lübcke als auch mit dem titelgebenden NSU 2.0 und dem rassistischen Anschlag in Hanau 2020.
Aus dem Theaterstück, das in den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt uraufgeführt werden sollte, ist erstmal ein Film geworden.
In einem nüchternen, büroartigen Raum – Holzvertäfelung, abgedunkelte Fensterscheibe, Schreibtische mit Papieren und Laptops, Schreibtischlampen – geben die Schauspieler*innen Recherchematerial wieder und diskutieren die gesellschaftspolitischen Implikationen von Rassismus, Misogynie, Hetze und Menschenverachtung. In Szenen, die an Beschwörungen erinnern, leihen sie auch den Täter*innen Beate Zschäpe, Stephan Ernst und Tobias Rathjen ihre Gesichter und Stimmen: Zu dräuenden Streichertönen geben die Spieler*innen einzeln Bekennerschreiben und Verhörprotokolle wieder. ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Esther Boldt
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