Fast lieber nirgends
Langsam, sehr, sehr langsam lässt das Blendlicht locker. Dann ein Cut to black. Und in der nächsten Sekunde ploppt vor den Augen des Publikums in der Kaserne Basel ein klinisch nackter Raum auf. Ein hübscher optischer Trick. Man sieht: leere Wände, ein Bett, ein portables Soundsystem, Getränkedosen, Süßkram. Dazu sieben Teenager-Dummys, die lebensechte Ausführung. Partybeats branden auf. Doch die Party, die fällt aus. Die Teenies werden abgetragen, klaglos, einzeln, von einem, der behutsam vorgeht, der ihr Vater sein könnte. Oder ihr Streetworker. Das dauert. Das entschleunigt.
Sieht aus wie flämische Jugendtheater-Avantgarde, dieser stumme Prolog, ist aber von Gisèle Vienne. Die Szene vibriert geradezu vor Bedeutungsleere und ist doch merkwürdig aufgeladen, so als ob gleich nichts und alles geschehen könnte. Kein Wunder, wir sind bei Robert Walser. Die austro-französische Theatermacherin ist bei dem fragilen, von Borderline-Schüben verfolgten Schweizer Autor auf ein frühes Stück gestoßen, «Der Teich», geschrieben vermutlich um 1902 für die jüngste Schwester. Das Manuskript hat Robert Walser in Berndeutsch verfasst, das tat er sonst nie, und es wurde auch erst Anfang der 1970er ...
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Theater heute Juli 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Stephan Reuter
Sie dürfen wieder, hurra!! Aber Moment mal, wie kommt man nach über einem halben Jahr verordnetem Stillstand in kürzester Zeit wieder auf Betriebstemperatur? Einfach weitermachen, als sei nichts gewesen, oder erstmal langsam aufwärmen? Nach dem endlich doch rasanten Sinkflug der Inzidenzzahlen im Mai erscheinen die Häuser vom sehnlichst erwarteten Neustart fast...
König zu sein, ist kein Traumjob. Ständig streiten sich zwei, welche Entscheidung man als Regent auch fällt, zumindest einen Feind schafft man sich immer. Im Fall des glücklosen Herrschers Richard II., einem tragischen Träumer, dem zum Regieren schlicht das Talent fehlt, sieht man aber auch schön, was bei Shakespeares Königsdramen verschärfend hinzukommt: Der Mann...
Ein Gang zum «Augenblick mal»-Festival ist immer eine Zeitreise: Erinnerung an die eigene Kindheit und Abmessung, wie stark man nun in der Mitte seiner Jahre den Ruf von Trubel, Turbulenz, Rätselspaß, Quietschbunt und Quatsch mit Soße noch vernimmt. Im diesjährigen Festivalzentrum grüßten direkt die 80er Jahre in ihrer Computerfrühzeit-Pixelästhetik zurück. Denn...
