Doppelt verurteilt
«Städtisches Wohnen im Grünen / Mit S-Bahn-Anschluss und Zugang zum See» – was will man mehr? Gerhart Hauptmann hat mit «Einsame Menschen» den Traum geplagter Hauptstädter schon vor 100 Jahren gut erkannt, und Felicia Zeller bringt in ihrer Überschreibung die mittlerweile renovierungsbedürftige Villa in Erkner (zwischen Dämeritzsee, Flakensee und Wupatzsee an der kleinen Löcknitz) auf heutigen Hochglanz.
Die glücklich schwangere Toparchitektin Marie mit mittelschwerer Erbschaft will das verblasste Juwel für die gerade anwachsende Familie unter Nutzung von Fördergeldern zum halböffentlichen Coworking-Space ausbauen. Mit dabei Lebensgefährte Gerhart, seines Zeichens ewiger Student, der schon seit unzähligen Semestern an seiner Dissertation in «angewandter Tiersoziologie» bosselt, und sein alter Freund Bölsche vom «Institut für Nachhaltigkeit». Als erste Coworkerin hat sich Margarete angemeldet, Jobdescription: hochkreative Titeltexterin für diverse Medien von der Sorte «Der Amazonas brennt». Ergänzend spukt auch noch Gerharts Mutter Erika durchs Gebäude, diplomierte Heilgymnastin nach der «Rugel-Methode», irgendwas Gesundes mit großen Bällen.
Leider verrutscht die Idylle schnell in ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Franz Wille
Jürgen Flimm war ein unbeugsamer Verfechter des Stadttheaters: ein Nachruf Was gibt’s Neues im Kino?
Die Berlinale ruft, wir antworten!
«Die Eingeborenen von Maria Blut» nach dem Roman der lange vergessenen Maria Lazar (1895–1948) sind in der Wiener Bearbeitung von Alexander Kerlin und Lucia Bihler ein starkes Stück: der Abdruck.
Theater heute 4/2023 erscheint am...
Ein schöner Don Carlos. Immer in Bewegung und so elastisch tänzelnd. Feingliedrig, als hätte er Gummigelenke. Auch sein Blankvers: eins a geschmeidig und so schön weich moduliert. Der Schauspieler Felix Strobel ist ein Charismatiker, auch stimmlich. Vielleicht hat man deshalb in Stuttgart das K in Schillers «Don Karlos» im Titel zum C umgebogen. Am hiesigen...
Der Fürst schnauft und ächzt, er schwankt auf dürren Beinchen in rot-gemusterten Leggins und kann sich kaum auf den Beinen halten. Sitzt er endlich im Sessel, so nickt er ein – oder begrabscht die Frauenbeine rechts und links, als gäbe es kein Morgen. Und weil seine Tage tatsächlich gezählt scheinen und weil er so wohlhabend ist wie ledig, muss dieses Onkelchen...
