Doppelt verurteilt

Felicia Zeller «Einsame Menschen» (U) am Berliner Ensemble

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«Städtisches Wohnen im Grünen / Mit S-Bahn-Anschluss und Zugang zum See» – was will man mehr? Gerhart Hauptmann hat mit «Einsame Menschen» den Traum geplagter Hauptstädter schon vor 100 Jahren gut erkannt, und Felicia Zeller bringt in ihrer Überschreibung die mittlerweile renovierungsbedürftige Villa in Erkner (zwischen Dämeritzsee, Flakensee und Wupatzsee an der kleinen Löcknitz) auf heutigen Hochglanz.

Die glücklich schwangere Toparchitektin Marie mit mittelschwerer Erbschaft will das verblasste Juwel für die gerade anwachsende Familie unter Nutzung von Fördergeldern zum halböffentlichen Coworking-Space ausbauen. Mit dabei Lebensgefährte Gerhart, seines Zeichens ewiger Student, der schon seit unzähligen Semestern an seiner Dissertation in «angewandter Tiersoziologie» bosselt, und sein alter Freund Bölsche vom «Institut für Nachhaltigkeit». Als erste Coworkerin hat sich Margarete angemeldet, Jobdescription: hochkreative Titeltexterin für diverse Medien von der Sorte «Der Amazonas brennt». Ergänzend spukt auch noch Gerharts Mutter Erika durchs Gebäude, diplomierte Heilgymnastin nach der «Rugel-Methode», irgendwas Gesundes mit großen Bällen.

Leider verrutscht die Idylle schnell in ...

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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Franz Wille

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