Sie hat ihn geliebt
Auf die Kunst, Emotionen freizusetzen, ohne ironisch oder sentimental zu werden, hofft man im Theater oft so vergeblich wie das bankrotte Städtchen Güllen in Dürrenmatts Schullektüre-Dauerbrenner auf einen Retter. Die junge Regisseurin Maria Elena Hackbarth aber packt hier lebendiges Fleisch auf das Gerippe der Lehrbuch-Dramaturgie. Und zwar, indem sie die oft einfach vorausgesetzte Vorgeschichte ernst nimmt: dass Claire Zachanassian und Alfred Ill sich einmal geliebt haben.
Freilich wird Dürrenmatts Groteske dabei nicht auf eine unglückliche Romanze heruntergedimmt: Unaufdringlich souverän erzählt Hackbarth von der Verführbarkeit der Masse und dem Verdrängen individueller Schuld, indem man sich von dieser Masse schlucken lässt. Aber da die Inszenierung, unter anderem durch chorische Elemente, stets den spielerischen Behauptungscharakter von Theater betont, gewinnt sie besondere Glaubwürdigkeit. Konkret: Dass Birgit Bücker und Oliver Jacobs für die Hauptrollen eigentlich etwas zu jung sind, erlaubt ihnen eine unpeinliche Emotionalität, da selbst realistisch-emphatisches Spiel hier immer stilisiert wirkt. Und wenn dann Ill bei einer letzten gemeinsamen Zigarette nach dem gemeinsamen ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Andreas Jüttner
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Eine «Wohlfühlkonferenz über allgemeine Zukunftsfragen» könnte es werden. Zuerst einmal geht es für die Dolmetschhamster in ihren schallisolierten Zellen allerdings darum, ob die Räuspertaste funktioniert und die Chinesen vielleicht doch noch kommen. Sie kommen dann natürlich nicht, die Chinesen, dafür erscheint einer der Minister und gibt dem Kollegen aus Spanien...
Matthias Lilienthal, 1992–1999 Chefdramaturg an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz unter Frank Castorf, Programmdirektor für «Theater der Welt 2002» in Bonn, Düsseldorf, Köln und Duisburg. Seit September 2003 ist er künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des HAU. Das Regiekollektiv Rimini Protokoll zeigt und erarbeitet kontinuierlich Produktionen am HAU...
