Sie hat ihn geliebt
Auf die Kunst, Emotionen freizusetzen, ohne ironisch oder sentimental zu werden, hofft man im Theater oft so vergeblich wie das bankrotte Städtchen Güllen in Dürrenmatts Schullektüre-Dauerbrenner auf einen Retter. Die junge Regisseurin Maria Elena Hackbarth aber packt hier lebendiges Fleisch auf das Gerippe der Lehrbuch-Dramaturgie. Und zwar, indem sie die oft einfach vorausgesetzte Vorgeschichte ernst nimmt: dass Claire Zachanassian und Alfred Ill sich einmal geliebt haben.
Freilich wird Dürrenmatts Groteske dabei nicht auf eine unglückliche Romanze heruntergedimmt: Unaufdringlich souverän erzählt Hackbarth von der Verführbarkeit der Masse und dem Verdrängen individueller Schuld, indem man sich von dieser Masse schlucken lässt. Aber da die Inszenierung, unter anderem durch chorische Elemente, stets den spielerischen Behauptungscharakter von Theater betont, gewinnt sie besondere Glaubwürdigkeit. Konkret: Dass Birgit Bücker und Oliver Jacobs für die Hauptrollen eigentlich etwas zu jung sind, erlaubt ihnen eine unpeinliche Emotionalität, da selbst realistisch-emphatisches Spiel hier immer stilisiert wirkt. Und wenn dann Ill bei einer letzten gemeinsamen Zigarette nach dem gemeinsamen ...
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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Andreas Jüttner
Man muss die vier Schauspieler, vor allem Klaus Brömmelmeier als Lenglumé, dafür bewundern, wie präzis und atemlos flott das alles vonstatten geht, dieser unendliche Unsinn. Wie satt und sauber da jedes Wort sitzt, wie dicht da eins ins andere fällt, genauso wie das Wohnzimmer der Lenglumés zu Beginn, das nicht auf der Bühne (von Thilo Reuter) steht, sondern mit...
Und dann ging alles ganz schnell. Kaum fünf Wochen dauerte es von dem durch Indiskretion bekannt gewordenen Angebot bis zur Vertragsunterschrift, mit der Karin Beier am 4. März im Rathaus der Hansestadt ihre Intendanz des Deutschen Schauspielhauses Hamburg zur Spielzeit 2013/14 besiegelte. Beiers Timing saß perfekt, und ihre Taktik ging auf, sich in Hamburg früh...
Andreas aus Braunschweig hat 14 Jahre Musikwissenschaft studiert und ist dann nach Paris gegangen. Promovieren, sagt er. Inzwischen lebt er auf der Straße, kann aber trotzdem Verdis «Macht des Schicksals» nach Tonarten brillant analysieren und setzt zur melancholisch-düsteren Passage in e-Moll die erste oder auch schon fünfte Molle an. Dass der verpfuschte Begabte...
