Senza fine
Sommerferien, die vermeintlich schönste Jahreszeit, aber auch emotionaler Ausnahmezustand, vor allem, wenn man sich von der akribisch eingefädelten Urlaubsbekanntschaft die letzte Rettung der prekären Existenz erhofft und alles darauf ankommt, nur ja im richtigen Moment auf der richtigen Party zu sein.
Schon die Frage, wer mit wem und auf wessen Kosten reist und was in den Koffer soll, wenn die bestellten Klamotten noch nicht einmal bezahlt sind, kann zu hysterischer Hyperventilation führen – zumal wenn der Regisseur Herbert Fritsch heißt und sich für seinen Saisonrausschmeißer am Münchner Residenztheater mit «Trilogie der Sommerfrische» von Carlo Goldoni eine zeitlos angeschmuddelte Gesellschaftssatire ausgesucht hat, die von seiner persönlichen Dramaturgin Sabrina Zwach noch mit einer gehörigen Portion Zoten angereichert wurde.
Nach erprobtem Muster vor psychedelischer Streifenprojektion schickt Fritsch diesmal allen voran Sebastian Blomberg als powackelnden Badelatschen-Casanova und Markus Hering als abgebrannten Notheiratskandidaten ins Feld. Umschwirrt werden die beiden sonnenverbrannten Schwerenöter von zwei apricotfarben aufgerüschten, dauerkreischenden Barbiepüppchen (Nora ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik München:, Seite 67
von Silvia Stammen
Eine Theorie der tragischen Erfahrung, eine Geschichte des dramatischen Theaters, eine Gegenwartsdiagnose und das Plädoyer für eine «postdramatische» Tragödie – so ließen sich die drei Gegenstände beschreiben, denen diese Studie sich widmet. Und wenn sie mit ihren 734 Seiten Länge, ihrer Fülle von Verweisen und Zitaten, ihrer 24 Seiten langen Literaturliste und...
Es ist ist wie mit Kindern, wenn sie spielen, dass sie gerade eine Prinzessin oder eine böse Hexe sind. Ernst ist es natürlich auch, schließlich musste man als Zuschauer ja das Handy abgeben und wurde wie am Flughafen kontrolliert. Die Strafgefangenen, die in den folgenden vierzig Minuten durch die Zuschauerreihen gehen, können auch Kontakt mit der Außenwelt...
Der Kolonialismus ist auch nicht mehr das, was er mal war. Anno 1899 waren die Verhältnisse noch erfreulich übersichtlich. Joseph Conrad schrieb sein «Herz der Finsternis», und Kapitän Marlow schipperte im Auftrag einer belgischen sogenannten Handelsgesellschaft den Kongo hinauf auf der Suche nach einem Elfenbeinagenten, der dort ein finsteres Schreckensregime...
