Senza fine
Sommerferien, die vermeintlich schönste Jahreszeit, aber auch emotionaler Ausnahmezustand, vor allem, wenn man sich von der akribisch eingefädelten Urlaubsbekanntschaft die letzte Rettung der prekären Existenz erhofft und alles darauf ankommt, nur ja im richtigen Moment auf der richtigen Party zu sein.
Schon die Frage, wer mit wem und auf wessen Kosten reist und was in den Koffer soll, wenn die bestellten Klamotten noch nicht einmal bezahlt sind, kann zu hysterischer Hyperventilation führen – zumal wenn der Regisseur Herbert Fritsch heißt und sich für seinen Saisonrausschmeißer am Münchner Residenztheater mit «Trilogie der Sommerfrische» von Carlo Goldoni eine zeitlos angeschmuddelte Gesellschaftssatire ausgesucht hat, die von seiner persönlichen Dramaturgin Sabrina Zwach noch mit einer gehörigen Portion Zoten angereichert wurde.
Nach erprobtem Muster vor psychedelischer Streifenprojektion schickt Fritsch diesmal allen voran Sebastian Blomberg als powackelnden Badelatschen-Casanova und Markus Hering als abgebrannten Notheiratskandidaten ins Feld. Umschwirrt werden die beiden sonnenverbrannten Schwerenöter von zwei apricotfarben aufgerüschten, dauerkreischenden Barbiepüppchen (Nora ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Chronik München:, Seite 67
von Silvia Stammen
Auf dem Titel des zahlenstärksten Theaterbuchs der Saison prangt schon seit Jahren eine weiße Statisitikkurve vor rotem Grund, die steil nach oben weist. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass die Fotovorlage um 45 Grad gedreht ist und die Kurve an ihrem obersten Punkt eigentlich gerade abfällt. Was die gerade veröffentlichte «Theaterstatistik 2012/13» des...
«Eine Heide. Eine Steppe. Eine Heidesteppe. Oder wo.» Die lokale Verortung ist schwierig, genau wie die zeitliche: «Jetzt. Im Mittelalter. Oder wann.» Erschöpfend werden diese Begriffe in Peter Handkes «Immer noch Sturm» eingekreist, «wo» und «wann», eine Rekonstruktion der eigenen Herkunft mittels Sprache, die eigentlich das Nachspüren eines nationalen...
Man muss sich den Kollegen A als wirklich streberhaften Musterbürger vorstellen: geschätzte dreißig, Druckereiangesteller, Vater einer kleinen Tochter in eheähnlicher Lebensgemeinschaft, gediegen linksliberal. Und weil sich A (Sascha Göpel) selbstredend als solidarischer Zeitgenosse versteht, springt er kurzfristig für einen verhinderten Kumpel an der Kasse eines...
