Lächerlich und nicht zum Lachen
Der Kolonialismus ist auch nicht mehr das, was er mal war. Anno 1899 waren die Verhältnisse noch erfreulich übersichtlich. Joseph Conrad schrieb sein «Herz der Finsternis», und Kapitän Marlow schipperte im Auftrag einer belgischen sogenannten Handelsgesellschaft den Kongo hinauf auf der Suche nach einem Elfenbeinagenten, der dort ein finsteres Schreckensregime aufgebaut hatte.
Tatsächlich hatte jener Kurtz nur die Prinzipien der kolonialen Ausbeutung auf die Spitze getrieben und unter anderem gegen seine einstigen europäischen Mitverbrecher gerichtet, die Afrika unter dem Vorwand der Zivilisierung brutal ausbeuteten. Dass diese Zivilisation jene Barbarei, die sie angeblich zivilisieren wollte, aufs Barbarischste übertraf, war die grausige Pointe von Conrads Klassiker.
Ende der 70er nahm sich dann Francis Ford Coppola der Vorlage an und brachte sie auf den Stand der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Film «Apocalyse now» begleitete einen amerikanischen Offizier, der während des Vietnam-Kriegs den verschwundenen Colonel Kurtz aufspüren sollte, der sich im Schatten von Napalm-Angriffen und Massakern an der Zivilbevölkerung in den Dschungel abgesetzt und dort als gefürchteter ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 26
von Franz Wille
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt 2014
«Im zermauerten Land» ist ein Vorabdruck aus:
Günther Rühle
Theater in Deutschland 1945–1966
Seine Ereignisse – seine Menschen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014,
1.440 Seiten, gebunden, € (D) 46,00/€ (A) 47,30/SFR 61,90,
erscheint am 23. Oktober 2014In der Bundesrepublik war man schon lange stolz auf den erreichten...
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