«Etwas Unvernunft, bitte!»
Eine Theorie der tragischen Erfahrung, eine Geschichte des dramatischen Theaters, eine Gegenwartsdiagnose und das Plädoyer für eine «postdramatische» Tragödie – so ließen sich die drei Gegenstände beschreiben, denen diese Studie sich widmet.
Und wenn sie mit ihren 734 Seiten Länge, ihrer Fülle von Verweisen und Zitaten, ihrer 24 Seiten langen Literaturliste und ihrem immerhin sieben kleingedruckte Seiten umfassenden Personenregister auf den ersten Blick überwältigt, ja einschüchtert, so stellt man doch beim Lesen von Hans-Thies Lehmanns «Tragödie und dramatisches Theater» erleichtert fest, dass es sich des Umfangs zum Trotz weniger um ein Opus magnum im klassischen Sinne handelt, als vielmehr um eine mit langem Atem, viel Leidenschaft und ebenso viel Ungeduld im Detail verfasste Streitschrift. Kritische Theorie, die bei aller Ausschweifung ein klares Ziel vor Augen hat: die Etablierung einer aufs Theater bezogenen Tragödientheorie und damit zugleich und darüber hinaus einer anderen, das gesamte Feld aufmischenden Theatergeschichte.
Entgegen dem ersten Eindruck, der ersten Befürchtung (oder Hoffnung), ist es nicht die Abbitte eines Renegaten, das milde Alterswerk eines vom Saulus ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Theorie, Seite 44
von Nikolaus Müller-Schöl
Die Nachricht von Gottfried Johns Tod erfuhr ich durch die Medien. Das hätte früher, als wir uns kennenlernten, keiner von uns gedacht, nämlich, dass je einer von uns sterben könnte, ganz zu schweigen davon, dass wir nicht ständig übereinander Bescheid gewusst hätten.
Wir sprachen oft über den Tod, aber ebenso häufig über die Liebe, das Theater, die
Literatur, die...
Wenn Angela Merkel heutzutage Königin Isabella die Katholische ist und Barack Obama König Ferdinand», überlegt der Autor und Regisseur Rodrigo Garcia im Programmbuch des polnischen Theaterfestivals Malta, «dann sind unsere Kuratoren und Experten auf dem Gebiet der Kunst eine spezialisierte Armee im Dienst der Monarchen des Marktes auf der Mission, künstlerische...
Truppen wie Hollandia (auf dem Foto der verstorbene Jeroen Willems in «Zwei Stimmen») haben in den 90er Jahren eine versteinerte Theaterstruktur lustvoll durcheinandergewirbelt. Heute steht das holländische Modell vor den Trümmern einer brutalen Sparpolitik. Eine Rede zur Eröffnung des Niederländischen Theatertreffens von Thomas Oberender.
Wie geht es weiter mit...
