Seniorchef Moor
Die Räuber» sind vor allem auch der Seelenerguss eines Zwanzigjährigen im Kampf gegen die Überväter. Annette Pullen, 32, hat Schillers Sturm-und-Drang-Moritat vor allem als geradezu zeitgeistiges psychologisches Familiendrama gelesen, als Saga um Maximilian Moor, Patriarch im Maßanzug, und seine beiden Söhne Karl und Franz.
Frauen sind in dieser Welt, in diesem Kampf der Söhne um die Gunst des Vaters, nicht von Bedeutung.
Das einzige weibliche Wesen in der Besetzungsliste, Amalia, eine der berüchtigten eindimensionalen Schillerschen Frauenfiguren, setzt die Regie vorwiegend dekorativ ein, während der gute Karl, ihr Verlobter, sie bis kurz vor Schluss vergisst. Andererseits: Tendenziell scheut er sowieso die Verantwortung. Seine Freunde, die späteren Räuber, sind seine Peer Group und seine Ersatzfamilie. Franz, der jüngere Sohn, versucht bei Papa einigermaßen erfolglos zu punkten, indem er oberschlau ist, und reibt sich an einer geschwisterlichen Konkurrenz auf, die für den Älteren gar keine Rolle spielt. Erwachsen geworden sind beide nicht. Wie auch: bei diesem Vater.
Andreas Grothgar gibt den alten Moor als virilen Business-Mann in den besten Jahren, brilliert in einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nachdem bereits im Vorfeld der WM deutsche Autoren scharenweise durchs bunt zusammengebastelte Fifa-Kulturprogramm geschleust worden waren – zumindest diejenigen, die sich nicht rechtzeitig durch ein kategorisches Nein aus der Schusslinie gebracht hatten –, war mit Überraschungen auf diesem Feld eigentlich nicht mehr zu rechnen. Umso dankbarer ist man den...
Plötzlich steht sie wieder vor der Tür: Die Frau, der man vor über 20 Jahren einen glücklichen Sommer lang ewige Liebe geschworen hat. Inzwischen ist Frank seit 19 Jahren gründlich verheiratet, was sich am deutlichsten dadurch zeigt, dass er ein ganzes Stück lang nicht eine Sekunde darüber nachdenkt, ob er damit eigentlich froh ist.
Andererseits kommt er gar nicht...
Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritikerleben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden...
